Während Dietmar Woidke (SPD) und Ursula Nonnemacher (Grüne) die großen Linien der künftigen Kenia-Koalition erklären, begnügt sich der kommissarische CDU-Chef mit Ergänzungen. Statt dessen lässt er keine Gelegenheit aus, zu betonen, wie optimistisch er ist, dass das Regierungsbündnis wirklich zustande kommen wird. Intern ist zu vernehmen, dass die Chemie zwischen ihm und dem SPD-Chef stimmt. Woidke gilt als jemand, der vor allem verlässliche Absprachen schätzt und darauf baut, dass seine Partner die Vereinbarungen in den eigenen Reihen durchsetzen.
Letzteres ist die größte Herausforderung für Stübgen. Der einstige Pfarrer sitzt seit Beginn der 90er im Bundestag. Erst in der aktuellen Legislaturperiode gelang ihm ein Karrieresprung, als er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium wurde. Als nach dem ersten September der Landesverband regelrecht abstürzte, die CDU ins Trudeln geriet und der Rücktritt von Partei- und Fraktionschef Ingo Senftleben ertrotzt wurde, avancierte der 59-Jährige zum Hoffnungsträger. Stübgen übernahm kommissarisch den Landesvorsitz und die Verhandlungsführung mit SPD und Grünen. Inzwischen scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Stimmen, die sich von Stübgen mehr Leidenschaft für die CDU-Themen wünschen, sind nur vereinzelt zu hören.
Spannend wird es innerparteilich Mitte November auf dem Landesparteitag. Dann soll Stübgen zum Landeschef gewählt werden. In der Partei wird mit Spannung erwartet, mit welchem Generalsekretär er antreten wird. Die Stimmung in der Partei wird nicht zuletzt davon abhängen, ob der konservative Flügel, der den Rücktritt Senftlebens erzwungen hatte, sich auf dem Stellvertreterposten wiederfindet. Nach bisherigen Plänen soll die Ressortaufteilung und damit die Frage, wer Minister wird, erst nach dem Parteitag geklärt werden. In der CDU heißt es, dass das der Parteitag kaum akzeptieren wird. Stübgen weiß um die Risiken und erweckt den Eindruck, als könnte ihn das nicht aus der Ruhe bringen.

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