Zum ersten Mal seit Januar ist die Zahl neuer Corona-Ansteckungen pro Tag in Brandenburg wieder über die 1000er-Marke gestiegen. Die Gesundheitsämter meldeten innerhalb eines Tages 1303 neue Fälle, wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag in Potsdam mitteilte. Diese Zahl hat sich damit innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Mitte Januar hatte es zuletzt über 1300 neu registrierte Infektionen in Brandenburg gegeben, wie aus einer Übersicht des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Die Krankenhäuser bereiten sich darauf vor - mit Konsequenzen.
Das größte Potsdamer Krankenhaus, das Klinikum Ernst von Bergmann, kündigte Einschränkungen für bestimmte Operationen an. „Das Klinikum EvB wird im Zuge des schnellen und dynamisch steigenden Infektionsgeschehens ab Montag, 8.11. vorsorglich eine Begrenzung im OP-Programm vornehmen, um Kapazitäten für Corona-Patienten vorzuhalten“, teilte das Klinikum mit. Mögliche Verschiebungen konzentrierten sich jedoch auf planbare Eingriffe.
„Alle Patientinnen und Patienten, die einer dringenden Behandlung bedürfen, werden vom Team des Klinikums Ernst von Bergmann weiterhin auf einem hohen medizinischen Niveau versorgt“, sagte Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. Sämtliche Notfall-Operationen fänden statt. Sämtliche OPs bei onkologischen Krankheitsbildern wie Krebs sowie Operationen von Patientinnen und Patienten, bei denen es ein hohes Risiko der Verschlechterung des Krankheitsbildes ohne OP gebe, würden ebenfalls durchgeführt.

Inzidenz erhöht sich auf 159

Die Sieben-Tage-Inzidenz, der Wert neuer Infektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche, ist innerhalb eines Tages von 134 auf 159 hochgeschnellt. Bei der Warn-Ampel des Landes liegt der Wert noch im gelben Bereich (100 bis 200). Im Landkreis Elbe-Elster stieg die Sieben-Tage-Inzidenz mit 374,9 schon über 300. In Cottbus (205,7) und dem Kreis Spree-Neiße (229,2) hat die Inzidenz die Marke von 200 übersprungen. Der Kreis Elbe-Elster appellierte an alle Ältere und Menschen mit Immunschwäche, Auffrischungsimpfungen zu nutzen.
Rund 1,5 Millionen Brandenburgerinnen und Brandenburger sind vollständig geimpft, das ist ein Anteil von 60,8 Prozent der Bevölkerung. Nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Schorfheide am Werbellinsee (Barnim) mit zwölf Toten hatte die Landesregierung eine erweiterte Testpflicht für ungeimpfte Mitarbeiter in Pflegeheimen beschlossen.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) dringt in der Debatte über eine Ausweitung der Booster-Impfungen auf die Priorität des Schutzes für ältere Menschen. „Jetzt müssen wir besonders vulnerable Personengruppen wie Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen und Hochbetagte schützen“, sagte Nonnemacher auf Anfrage. „Sie haben ein besonders hohes Risiko für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe. Deshalb haben die Booster-Impfungen in Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowie für ältere Menschen die höchste Priorität.“
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.