Trotz der Lieferschwierigkeiten bei den Corona-Impfstoffen hält Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) an dem Ziel fest, bis zum Spätsommer jedem Deutschen ein Impfangebot zu machen. „Das heißt: Ich brauche ungefähr für 60 Millionen Menschen die entsprechenden Impfdosen. Zwei Impfdosen sind 120 Millionen Impfdosen, und dieses muss weiter unser Ziel bleiben“, sagte Woidke am Freitag im Interview mit dem RBB-Sender Radio Eins. Er äußerte sich mit Blick auf den für Montag geplanten Impfgipfel von Bund und Ländern. „Und das ist jetzt eine nationale Herausforderung, die wir gemeinsam bestehen müssen.“

Woidke: Potentiale der Unternehmen in Brandenburg nutzen

Dafür müssten auch wirtschaftliche Potenziale in Deutschland genutzt werden, betonte der Regierungschef. „Beispielsweise mit Potenzialen, die wir mit großen Chemieunternehmen im Land Brandenburg haben, auch pharmazeutischen Unternehmen“ sagte er. „Um den Prozess der Impfstoffherstellung zu beschleunigen und Hersteller vielleicht zu ermuntern, doch stärker und mehr zu produzieren und vielleicht auch zu investieren.“
Unterdessen forderten der Landeselternrat und der Kita-Elternbeirat am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung, nach der Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca unverzüglich Lehrern und Erziehern ein Impfangebot zu machen. „Nur so können wir schnellstmöglich zum Regelbetrieb in Schulen und Kitas zurückkehren“, hieß es dort.

Hesse: ein Schritt nach dem anderen bei neuem Impfstoff

Dagegen erklärte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse, auch bei dem neuen Impfstoff müsse ein Schritt nach dem anderen gemacht werden. Zunächst seien nach einer Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert Koch Instituts abzuwarten. Grundlage für die Festlegung der Reihenfolge bei den Impfungen seien auch in Brandenburg die Empfehlungen der Stiko und die Impfverordnung der Bundesregierung.

80.000 Brandenburger bisher geimpft

In Brandenburg wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Freitag bislang knapp 80.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Darunter seien 8362, die bereits die notwendige Zweitimpfung erhalten hätten. Das Robert-Koch-Institut meldete allerdings erst 50 Zweitimpfungen in Pflegeheimen. Diese Impfungen werden in Brandenburg vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) organisiert. DRK-Pressesprecherin Marie-Christin Lux erklärte auf Anfrage, diese Zahl sei vermutlich durch einen Meldungsverzug zustande gekommen und liege wahrscheinlich tatsächlich höher. Bis zum Donnerstag hätten die mobilen Teams bereits in acht Heimen die Zweitimpfungen vorgenommen.
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