In Brandenburg ist die Zahl der Firmenpleiten trotz Corona-Krise enorm zurückgegangen. Wurden im Vorjahr noch 42 je 10 000 Unternehmen gemeldet, sind es in diesem Jahr hochgerechnet 36, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag mitteilte. Brandenburg liegt damit nach Thüringen bundesweit auf Platz 2.

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht eine Begründung

Eine Erklärung für die niedrigen Zahlen im abgelaufenen Jahr: Der Gesetzgeber hat die Insolvenzantragspflicht für Firmen seit 1. März 2020 ausgesetzt. Unternehmen, die wegen der Corona-Krise in Bedrängnis geraten, sind seither nicht verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen. Diese Sonderregelung wurde zwischenzeitlich verlängert und gilt nun noch bis Ende 2020. Allerdings nur für Unternehmen, die überschuldet sind, nicht bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit.
Der bundesweite deutliche Rückgang bei den Firmenpleiten um 13,4 Prozent auf schätzungsweise 16 300 (Vorjahr: 18 830) Fälle täusche jedoch „über die wirkliche Situation der Unternehmen hinweg“, hieß es. Staatliche Hilfsgelder und Erleichterungen im Insolvenzrecht entspannten die Lage 2020. „Insbesondere für Gastronomie, Einzelhandel oder die Messe-, Reise- und Veranstaltungsbranche hat die Rezession massive Auswirkungen auf die Liquiditäts- und Finanzlage. Das wird sich ab dem kommenden Jahr dann in den Insolvenzzahlen niederschlagen“, prognostizierte Creditreform.

Vor allem kleine Firmen betroffen

Trotz der gesunkenen Fallzahlen erhöhte sich die Schadenssumme für die Gläubiger deutlich von 23,5 Milliarden Euro 2019 auf schätzungsweise 34 Milliarden Euro im laufenden Jahr.
Nach wie vor sind vor allem kleinere Firmen betroffen: in vier von fünf Fällen (80,1 Prozent) hatte das betroffene Unternehmen höchstens fünf Mitarbeiter. Insgesamt sind nach Berechnungen von Creditreform etwa 332 000 Arbeitsplätze infolge der diesjährigen Unternehmensinsolvenzen bedroht oder schon weggefallen.
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