Die Brandenburger haben sich mit dem ersten Tag des Lockdowns auf die neuen Anordnungen zur Eindämmung der Zahl der Corona-Infektionen eingestellt.
Seit Mittwoch sollen die Menschen tagsüber nur noch in bestimmten Fällen nach draußen gehen. Die Potsdamer Innenstadt war am Vormittag aber nicht verwaist, sondern belebt wie fast immer. Das Haus verlassen darf man zum Arbeiten und Einkaufen oder zum Besuch von Schulen und Kitas, Ärzten und Behörden. Nachts gelten ab 22 Uhr bis 5 Uhr Ausgangsbeschränkungen. Joggen oder Spaziergänge sind in diesem Zeitraum etwa tabu - Gassi gehen ist hingegen erlaubt.

Landesweite Kontrollen durch Polizei in Brandenburg

Die Polizei hat landesweit mit verstärkten Kontrollen begonnen. Dafür würden täglich unter anderem Bereitschaftspolizisten in einer Gesamtstärke von etwa 100 Beamten eingesetzt, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Torsten Herbst, auf Anfrage. Ziel sei es, bei festgestellten Verstößen unterstützend für die zuständigen Behörden tätig zu werden.
Dazu gehörten auch Kontrollen im „kleinen Grenzverkehr“ nach Polen, sagte Herbst. Dort sollen die Beamten bei Verstößen in Abstimmung mit den Ordnungs- und Gesundheitsämtern beziehungsweise mit der Bundespolizei und dem Zoll tätig werden.
Mit Stichproben kontrollieren Beamte des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), ob in Deutschland nicht zugelassene Böller aus Polen illegal eingeführt werden. „Es hat einige Fälle in den vergangenen Tagen gegeben“, sagte die Pressesprecherin des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), Astrid Pinz. Die Knaller würden eingezogen und es drohe ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. In Polen kann laut Pinz das ganze Jahr über Pyrotechnik gekauft werden.

Großer Ansturm auf Pyrotechnik im polnischen Slubice

Eine Verkäuferin im „Pyromarket“ im polnischen Slubice sagte: „Gestern und vorgestern hatten wir hier einen großen Ansturm von Kunden aus Deutschland. Der ganze Parkplatz war voll, die Leute standen vor dem Laden lange Schlange.“ Der Mittwoch sei hingegen total ruhig angelaufen - praktisch ohne Kunden.
Pawel Slawiak, Vorsitzender der Vereinigung der Markthändler in Slubice, sagte: „Besonders am Montag und Dienstag gab es Andrang bei Tankstellen, Zigarettenverkauf und vor den großen Supermärkten.“ Auch die Anbieter von Dienstleistungen, etwa Friseure, hätten profitiert. Nun aber stünden die Händler vor schwierigen Wochen. „Vor Weihnachten ist sonst immer die beste Zeit, die Deutschen kaufen sehr viel“, sagte Slawiak.
Der Übergang an der Stadtbrücke über die Oder nach Slubice ist trotz des Lockdowns weiter geöffnet - aber nur für einen ausgewählten Personenkreis: Lediglich Berufspendler und Schüler dürfen über die Grenze. Familienbesuche im jeweils anderen Teil der Stadt sind erlaubt. „Es ist zu bemerken, dass bedeutend weniger Menschen unterwegs sind“, sagte der Pressesprecher der Stadt Frankfurt (Oder), Uwe Meier.

GEW fordert Ende von Präsenzunterricht an Brandenburger Schulen

Die Brandenburger Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Landesregierung aufgefordert, den Präsenzunterricht in den Schulen sofort zu beenden und auch in den Kitas nur noch eine Notbetreuung anzubieten. Im Bildungsministerium gelte das Prinzip „Augen zu und durch“, erklärte der GEW-Landesvorstand in einer Mitteilung. Dies gefährde die Gesundheit aller Beteiligten und habe zu einem Chaos in den Schulen und Kitas in Brandenburg geführt. Das Ministerium hatte es den Eltern überlassen, ob sie ihre Kinder in dieser Woche zur Schule schicken oder nicht.
Der Präsident der Landesapothekerkammer, Jens Dobbert, bat um Verständnis, falls in der einen oder anderen Apotheke keine FFP 2-Masken vorrätig seien. Sie werden an über 60-Jährige und Risikopatienten kostenlos abgegeben. Die Beschaffung und Prüfung der Masken sei aufwändig, denn sie müssten auf dem freien Markt besorgt werden.
Die Zahl neuer Corona-Infektionen ist im Land gegenüber dem Vortag wieder deutlich gestiegen: Innerhalb eines Tages seien 913 von den Gesundheitsämtern gemeldet worden, teilte das Gesundheitsministerium in Potsdam mit. Am Dienstag waren es 642 neue Fälle. Die Zahl der Patienten, die in Kliniken behandelt werden, stieg um 43 auf 879. 156 Menschen liegen auf Intensivstationen und 111 von ihnen müssen beatmet werden. 634 Brandenburger sind bisher in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben - 22 mehr als am Vortag.
Der Wert der neuen Ansteckungen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche stieg für ganz Brandenburg auf 230,3 und liegt damit weiter deutlich über dem kritischen Wert von 200. Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz wurde weiterhin im Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit 570,5 registriert, gefolgt von den Landkreisen Elbe-Elster (500,8) und Spree-Neiße (431,8).
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