Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hält die Erfahrungen der Ostdeutschen in den 1990er Jahren für die Bewältigung der Zeit nach der Corona-Pandemie für sehr hilfreich.
„In den turbulenten 1990er Jahren lernten viele Ostdeutsche, konkrete Probleme ebenso unideologisch wie unkonventionell zu lösen und dabei pragmatisch auf die eigene Kraft zu vertrauen“, schrieb Platzeck in einem Beitrag für die „Märkische Allgemeine“ (Mittwoch) mit Blick auf die Zeit nach der Wiedervereinigung. Sie hätten auch gelernt, ihre Rückzugsräume zu verteidigen und auf soziale Balance zu achten. „Etwas mehr dieser Eigenschaften werden wir gut gebrauchen können, wenn Deutschland mit den Aufräumarbeiten nach der Pandemie beginnt.“

Fordert mehr Menschenverstand und Empathie von Verwaltung

Der ehemalige SPD-Bundeschef rief dazu auf, bestehende Regeln für den Umgang mit Krisen auf den Prüfstand zu stellen. „Denn bei aller Wertschätzung für eine verlässlich arbeitende Verwaltung: Sie braucht etwas mehr gesunden Menschenverstand und mehr Empathie, um Probleme schneller in den Griff zu bekommen“, schrieb Platzeck.
Der kommende wirtschaftliche Umbau müsse dazu führen, dass sich die soziale Schere in Deutschland schließe und nicht weiter öffne. Der Aufbau Ost habe zu einer großen Umverteilung von Reichtum geführt. Das stärkere Engagement des Staates für den Aufbau nach der Pandemie müsse genutzt werden, um Mitarbeiter stärker am Erfolg ihrer Firmen zu beteiligen.
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