Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte am Dienstag lediglich in Aussicht gestellt, dass ab Ende Mai alle Kinder einen Tag pro Woche in den Kindergarten gehen könnten. Daran gibt es Kritik aus der Elternschaft. "Viele Mütter und Väter gehen auf dem Zahnfleisch. Sie haben kein Verständnis für das Vorgehen der Landesregierung", sagt Catharina Kahl, Sprecherin des Brandenburger Kita-Elternbeirats.
Sie hält der Regierung Konzeptlosigkeit vor. "Wir werden jetzt auf August vertröstet. Aber was ist dann anders als heute? Das Coronavirus ist immer noch da, und die Zahl der Neuinfektionen ist jetzt schon gering in Brandenburg", gibt Catharina Kahl zu bedenken. Auch würden Daten aus Dänemark und Norwegen zeigen, dass sich die dortige Wiedereröffnung der Kitas Mitte April nicht negativ ausgewirkt habe.
Man müsse aber nicht so weit schauen, sondern sich an Sachsen orientieren, schlägt Kahl vor. "Diesen Weg sollten auch wir sofort gehen, natürlich dann immer mit Blick auf die aktuellen Fallzahlen." Die sächsische Regierung hat entschieden, dass bereits ab dem 18. Mai alle Kinder täglich zur Kita gehen können. Ihr Konzept sieht streng getrennte Gruppen mit festen Bezugspersonen vor. Die Eltern müssen täglich dafür unterschreiben, dass niemand im Haushalt Erkältungssymptome hat. Aber Sachsen verzichtet in den Kitas auf die Pflicht zum Mindestabstand und schafft so Platz für alle Kinder. Nur so sei eine Rückkehr zum Regelbetrieb möglich, heißt es.
Der märkische Kita-Elternbeirat kritisiert außerdem die hiesige Regelung, dass Pädagogen ab 60 pauschal als Risikogruppe gelten und deshalb nicht in die Schulen müssen. "So etwas gibt es in anderen Branchen auch nicht", sagt Catharina Kahl. Laut Ministerium gehören 30 Prozent aller Pädagogen zur Risikogruppe.