Der Corona-Krisenmodus hat auch den Großräschener Winzer Andreas Wobar fest im Griff. Abgesagte Jungweinproben, gestrichene Weinbergführungen und monatelang geschlossene Gas­tronomie ließen den Umsatz der Niederlausitzer spürbar schrumpfen. Für den Winzer ist das Glas trotzdem halb voll und nicht halb leer. Er hat mitten in der Krise nach seinem neuen Rosé "Johannes" den ersten Balsamico Brandenburgs kredenzt.
Hergestellt aus eigenen roten Pinotintrauben, präsentiert sich der "Balsamico Rubin" mit süßsauren Aromen von dunkler Kirsche und Backpflaumen. Der Weinessig aus Großräschener Trauben lag dafür anderthalb Jahre im Fass. Für die Herstellung arbeitet der Großräschener Winzer mit einem Familienweingut aus dem Heilbronner Land in Baden-Württemberg zusammen.

Anfragen nach Führungen

Mit dem italienischen Flair in der Flasche versucht Andreas Wobar, den Corona-Auswirkungen zu trotzen. Jeglicher Weintourismus war seit dem zeitigen Frühjahr zusammengebrochen – beginnend bei den Jungweinproben bis hin zu Weinbergsführungen. Dabei waren sämtliche Wochenenden im April, Mai und Juni vor Corona komplett ausgebucht. Führungen und Verkostungen mussten storniert werden, Familienfeiern, Hochzeiten, Jugendweihen, Klassentreffen und Firmenevents fanden nicht statt. Ganz allmählich geht es wieder los. "Wir können auf dem Weinberg wieder Führungen für Familien oder Freundeskreise anbieten. Eine fand bereits statt, inzwischen kommen weitere Nachfragen", berichtet Cornelia Wobar.
Zu den Absagen, die besonders schmerzten, gehörte ein ganztägiges Tagungstreffen von Weinsachverständigen aus dem deutschsprachigen Raum am steilsten Weinberg Brandenburgs unterhalb der IBA-Terrassen. Auch die Teilnahme an einer Verkostung in Berlin mit Sommeliers aus ganz Deutschland hat Corona durchkreuzt. "Für uns fehlten damit wichtige Schritte, unseren Wein noch bekannter zu machen", ergänzt die Winzergattin.
In der Corona-Zwangspause ist Großräschens Winzerpaar kreativ geworden. Um mit den Kunden in Kontakt zu bleiben, haben Wobars, die bisher nur direkt am Weinberg oder bei Festen vermarktet haben, einen online-Shop aufgebaut. "Wir haben uns dafür mal die Zeit nehmen können. Das läuft sehr gut, das hätten wir nicht gedacht. Man merkt, dass die Leute auf der Suche nach regionalen Produkten sind", freut sich Cornelia Wobar. Das Paar hat sich in den vergangenen Wochen erfolgreich auch den "Marktschwär­mern" angeschlossen. Dahinter steht ein bundesweites Unternehmen, das Online-Shop und Bauernmarkt kombiniert – die Wobars beliefern nun ein angeschlossenes Geschäft in Hoyerswerda.
Neuerdings können Liebhaber der edlen Tropfen auch Weintouren am Großräschener Weinberg miterleben. Online natürlich ohne Weinproben. Eine Investition in die Zukunft ist zudem der neue Wein-Verkaufsanhänger. "Wir machen trotz Corona mobil und freuen uns auf die ersten Feste, bei denen wir mit dem Anhänger anrollen können", wagt Cornelia Wobar einen vorsichtigen Blick in die Zukunft. Schon jetzt freut sie sich auf den ersten eigenen Termin. Am 7. August findet das beliebte Fest "Jazz und Wein" statt.

Viel Arbeit mit Jahrgang 2020

Die Arbeit im Weinberg lief im Frühjahr indes auf Hochtouren. Winzer Andreas Wobar konnte weder in Kurzarbeit gehen noch ins Homeoffice, denn der neue Jahrgang 2020 wollte gehegt und gepflegt sein. Erst mussten Frostruten an 5000 Stöcken abgeschnitten und die Anzahl der Triebe reduziert werden. Frostschäden durch die Eisheiligen gab es am Großräschener Weinberg nicht. "Der Steilhang und die schützende Seelage haben uns gerettet", freut sich Andreas Wobar über sein Winzerglück. In den vergangenen zwei Wochen war er mit sogenannten Erziehungsarbeiten des Weines beschäftigt. So mussten beispielsweise Triebe an Drahtrahmen befestigt werden, an der frühen Sorte Solaris waren Geiztriebe zu entfernen.

Erster Balsamico Brandenburgs

Mit der Hoffnung auf weitere Corona-Lockerungen will der Winzer das traditionelle Federweißerfest im September auch noch nicht aufgeben. In der Krise kreativ zu bleiben, ist für die leidenschaftlichen Weinbauern Anspruch und Herausforderung zugleich. Ihr hauseigener Balsamico mit dem EU-Zeichen für eine geschützte geografische Lage auf dem Etikett ist der erste Balsamico Brandenburgs. Für den Herbst hat das Winzerpaar die nächste Überraschung in petto.