"Ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren soll." Die zweifache Mutter aus Neuzelle klingt verzweifelt. Sie arbeitet im therapeutischen Bereich, ihr Mann hauptberuflich bei der Feuerwehr. Wochenlang haben sie es irgendwie hinbekommen, die Kinder daheim zu betreuen. "Wir wollten kein Risiko eingehen", betont sie. Die Folge, sie verdient weniger, weil sie weniger arbeiten kann, er macht im Schichtdienst immer mehr Minusstunden. Vor etwa einer Woche wollten sie  nun die Notbetreuung in Grundschule und Kita in Anspruch nehmen. Mit der Schule hat das geklappt. Bei der Kita gab es eine Absage. "Es gibt keine freien Plätze mehr", sagt sie und fragt: "Wie soll das dann erst in den kommenden Wochen werden?" Die Familie ist kein Einzelfall.
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"Gegenwärtig ist der Bedarf an Notfallbetreuung größer als die Anzahl der Plätze, die uns zur Verfügung stehen", erklärt Lars Grunow, der Haupt- und Ordnungsamtsleiter im Amt Neuzelle. Durch die Erweiterung des Personenkreises, der die Notfallbetreuung in Anspruch nehmen kann, sei die Anzahl der Anträge gewachsen. "Die einzuhaltenden Hygienevorschriften, die Anzahl der Räume, die uns zur Verfügung stehen und die vorgegebenen Gruppengrößen beschränkten jedoch die Anzahl der Plätze von Anfang an." Als der anspruchsberechtigte Personenkreis unter den geltenden Hygieneregeln erweitert wurde, "wurde uns mitgeteilt, unter den Anspruchsberechtigten den Systemrelevantesten auswählen", informiert Grunow. "Kurz gesagt: Unsere Platzkapazitäten sind erschöpft und wir können gegenwärtig keine Kinder aufnehmen." Ja, man habe Anträge ablehnen müssen. Die Gesundheit der Kinder und Erzieher stehe im Vordergrund. Aktuell befinden sich ihm zufolge 102 Kinder in den kommunalen Kitas des Amtes in der Notbetreuung. Das entspreche etwa der Hälfte der zur Verfügung stehenden Plätze.
In den drei kommunalen Kitas im Amt Brieskow-Finkenheerd befinden sich 69.Krippen-, 113 Kindergarten- sowie 158 Hortkinder in der Notbetreuung. In den Einrichtungen gibt es eine Kapazität von 402.Plätzen. Ob oder wie viele Anträge abgelehnt wurden, entziehe sich seiner Kenntnis, erklärt Amtsdirektor Danny Busse. Die Kita-Leiterinnen seien an den Eltern näher dran, weshalb sie die Frage, ob Voraussetzungen der Notbetreuung greifen, sachgerechter entscheiden können. "Dies tun sie sehr gewissenhaft in eigener Verantwortung."

Freie Kita kommt an Grenzen

In Eisenhüttenstadt bieten die sechs kommunalen Kitas und fünf Horte die erweiterte Notfallbetreuung an. Die Kitas haben eine Platzkapazität von 517 Plätzen. 265 Kinder haben die Notfallbetreuung bisher erhalten. Diese wird nach eingehender Prüfung der Räumlichkeiten und Strukturen vor Ort durch den Fachbereich Familie und Schule einrichtungsbezogen abgestimmt und durch Grenzwerte festgelegt, teilt Katrin Fiegen, Leiterin des betreffenden Fachbereichs, mit. In den Horten stehen 611 Plätze zur Verfügung. 210 seien aktuell belegt. Für 53 Prozent der Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Bereichen arbeiten oder alleinerziehend sind, bestehe momentan die Möglichkeit der Notbetreuung. Bis zum 14. Mai wurden 475 Anträge zur Notfallbetreuung positiv entschieden, zwei abgelehnt.
Ablehnen muss wohl auch Katrin Drews von der freien Kita "Wilhelmina" in Eisenhüttenstadt ab der nächsten Woche. Dann hat sie 41 Kinder in der Notbetreuung. Damit sei die Kita unter den geltenden Hygieneregeln voll. "Der Bedarf ist größer", sagt die Kita-Leiterin.