In Brandenburgs Ärzteschaft wächst der Ärger über die Verteilung der Corona-Prämien. Während sich Bund und Landesregierung auf einen steuerfreien 1500-Euro-Bonus für Pflegekräfte in Altenheimen geeinigt haben und in einem zweiten Schritt bundesweit 100 Millionen Euro für Schwestern und Pfleger in Krankenhäusern locker gemacht werden, gehen die Beschäftigten der niedergelassenen Mediziner leer aus.
„Die Teams in unseren Praxen engagieren sich tagtäglich an vorderster Stelle in der Pandemie-Bekämpfung“, findet Peter Noack, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. „Sechs von sieben Corona-Patienten werden in unseren Praxen behandelt. Wir fordern von der Politik mehr Anerkennung für den ambulanten Bereich.“

Hausärzteverband Brandenburg verlangt faire Behandlung

Der Hausärzteverband Brandenburg sieht es genauso. „Die Fairness gebietet es, dass unsere Praxisteams ebenfalls eine Corona-Prämie erhalten“, sagt Karin Harre, die Vorsitzende des Verbands. Auch auf dem Deutschen Hausärztetag in der vergangenen Woche in Berlin waren die Prämien Thema. Die Allgemeinmediziner und ihre Teams hätten eine Überforderung der Krankenhäuser verhindert, hieß es. Vor allem die besondere Belastung der Assistentinnen und Assistenten müsse berücksichtigt werden. Leider höre man dazu gar nichts, kritisierte Ulrich Weigeldt, Bundeschef des Hausärzteverbands.

Gesundheitsministerin sieht keinen finanziellen Spielraum

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher zeigt Verständnis für die Forderungen der niedergelassenen Mediziner, sieht aber keinen Spielraum des Landes für weitere Prämienzahlungen. „Eine solche finanzielle Leistung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und bedarf grundsätzlich einer bundesweit einheitlichen Lösung“, teilt ein Sprecher der Grünen-Politikerin mit. Dazu sei jedoch bislang nichts geplant.
Die Linke im brandenburgischen Landtag findet, dass es sich die Ministerin damit zu einfach macht. „Die Finanzierung dieser Prämie könnte aus dem Corona-Rettungsschirm des Landes erfolgen. Daraus wurde auch die Aufstockung der Prämie für Beschäftigte der Altenpflege finanziert“, sagt Ronny Kretschmer, Gesundheitsexperte der Linken-Fraktion. „Das Geld ist also vorhanden. Am politischen Willen mangelt es dagegen bei Regierung und der Koalition.“
Kretschmer erinnerte außerdem daran, dass seine Fraktion bereits im Mai eine „Anerkennungsprämie für Beschäftigte in der Altenpflege sowie in Gesundheitsberufen“ gefordert habe. Das hätte auch die Teams in den Arztpraxen eingeschlossen.

Bisherige Prämienverteilung ist in den Augen der Linken ungerecht

Nach Einschätzung des Linken-Abgeordneten sorge die jetzige „Privilegiertenprämie“ an vielen Stellen für Frust. So habe es zunächst Irritationen gegeben, dass nur Kräfte in Altenheimen profitieren. Die Ausweitung der Prämien auf mit der Pandemie befasste Krankenhaus-Beschäftigte sei nun ebenfalls ungerecht. Denn sie suggeriere, dass die Versorgung eines Blinddarm-Patienten weniger aufwendig sei als die eines Corona-Kranken.