In Potsdam entschied das Verwaltungsgericht in der vergangenen Woche in zwei Fällen, dass die vom Gesundheitsamt verhängte Quarantäne vorzeitig ausgesetzt werden soll. Das Gesundheitsamt hat daraufhin ein Eilverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht angestrebt, das Ende der Woche  eine Entscheidung treffen will.

Eltern zogen vors Gericht

An den beiden Potsdamer Schulen war je ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Gesundheitsamt ordnete eine zweiwöchige Quarantäne für die beiden betroffenen Klassen an. Vom Verwaltungsgericht wurde dies mit Berufung auf das Robert-Koch-Institut als unverhältnismäßig angesehen. Das empfiehlt Quarantäne bei direkten Bezugspersonen, innerhalb eines Haushaltes oder beispielsweise  bei einem viertelstündigen Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Das sei im Schulalltag nicht unbedingt gegeben. Andererseits warnt das Robert-Koch-Institut vor virusbelasteten Aerosolen in mehr oder weniger geschlossenen Räumen.
Ähnlich wie in Potsdam wurde auch in Seelow nach einem Corona-Fall eine ganze Klasse in Quarantäne geschickt. In Frankfurt wurde ein Gymnasium, nachdem zwei Schüler und eine Lehrerin positiv getestet worden waren, geschlossen und für beiden Klassen der betroffenen Schüler Quarantäne verhängt.
Friedemann Hanke, Sozialbeigeordneter von Märkisch-Oderland, verteidigt die Maßnahmen. Es gehe um den Schutz der Bevölkerung und den Versuch, den Schulunterricht sicher zu stellen, betont er. Für ihn ist es ein Segen, dass jedes Gesundheitsamt Ermessensspielräume hat und im Einzelfall prüfen kann, ob Quarantäne verhängt werden soll oder nicht.

Negativer Test ändert nichts

In der Seelower Schule beginnen bei den seit letztem Donnerstag in Quarantäne befindlichen Schülern am heutigen Dienstag die Corona-Tests. Hanke betont: Ein negatives Ergebnis ändert nichts an der zweiwöchigen Frist bis zur Rückkehr an die Schule. In dieser Zeit können noch Symptome auftreten. Darüber seien auch die Schüler in den regelmäßigen Telefonaten mit dem Gesundheitsamt informiert worden.
Der Beigeordnete räumt ein, dass es immer wieder zu Rückfragen kommt, weil Reiserückkehrer aus Risikogebieten nach einem negativen Test sofort wieder ihr Alltagsleben aufnehmen können. Das sei aus seiner Sicht eigentlich falsch, bedauert Hanke.
Zur Verwirrung trägt laut Hanke auch eine weitere Quarantäne-Regelung bei: Positiv auf das Coronavirus getestete Personen müssen nur zehn Tage in Quarantäne bleiben, bei allen anderen, selbst denen mit negativem Befund sieht das Robert-Koch-Institut zwei Wochen als notwendig an, da die Krankheit so lange brauchen kann, bis sich Symptome zeigen.

Wer wird wo getestet?


Grundsätzlich gilt: Ob ein Test durchgeführt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt oder das Gesundheitsamt. Kostenfrei testen lassen darf sich also nicht jede/r. Nur bestimmte Gruppen haben einen Anspruch darauf:

Symptomatische Personen mit akuten Covid-19-typischen Symptomen.Kontaktpersonen, Menschen die Kontakt mit  bestätigten Covid-19-Fällen hatten, wie Mitglieder desselben Haushalts oder Personen, die über die Corona-Warn-App als Kontaktpersonen identifiziert wurden.Personen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas, Unterkünfte für Geflüchtete, Pflegeheime, Justizvollzugsanstalten – wenn in der Einrichtung eine infizierte Person festgestellt wurde.Patienten und Bewohner vor Aufnahme in Krankenhäusern, stationären Pflegeeinrichtungen, Behinderten- und sonstigen Einrichtungen und in der ambulanten Pflege.

Tests bei Personen mit Covid-19-Symptomen werden von den niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Aber: Die Ärzte sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet.

Unter der Telefonnummer 116 117 kann man erfragen, wo man einen Corona-Test machen kann. Eine Liste aller Ärzte, die Tests durchführen, gibt es unter unter www.kvbb.de/coronavirus bei der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. cd