Die Brandenburger Landesregierung will in der kommenden Woche angesichts des deutlichen Anstiegs der Corona-Fälle mögliche neue Schritte prüfen. „Wir arbeiten jetzt ja an neuen Eckpunkten, die nächste Woche vom Kabinett dann zu verabschieden sind, um uns jetzt dann auch zu beraten über die neue Situation“, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch im Landtags-Gesundheitsausschuss. Über die Lage berate das Kabinett in der nächsten und übernächsten Woche.
Auf die Frage der AfD-Abgeordneten Birgit Bessin, warum nicht bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 10 wie in Sachsen die Maskenpflicht in Geschäften aufgehoben werde, verwies Nonnemacher auf die Entwicklung in Brandenburg. Die Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl neuer Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen - sei innerhalb einer Woche von 2,6 auf 4,8 gestiegen. Dazu komme, dass der Anteil der infektiöseren Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland zunehme. Sie sagte, „dass wir das sehr aufmerksam beobachten, ob wir jetzt in eine vierte Welle hineinlaufen“.

Brandenburg prüft Kriterien für Bewertung der Corona-Lage

Für die Bewertung der Corona-Lage prüft Brandenburgs Landesregierung eine stärkere Ausweitung der Kriterien über die Sieben-Tage-Inzidenz hinaus. „Eine hohe Inzidenz allein bedeutet nicht automatisch eine ebenso hohe Belastung auf den Intensivstationen der Krankenhäuser“, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Dienstag auf Anfrage. „Wir denken jetzt schon über eine Erweiterung der Eckwerte nach und machen der Staatskanzlei konkrete Vorschläge dazu.“

Nonnemacher: Impfquote und Anzahl der Intensivbetten ebenfalls zu beachten

Sie sei davon überzeugt, dass der Wert neuer Ansteckungen pro 100 000 Einwohner in einer Woche - die Sieben-Tage-Inzidenz - weiter nötig ist, betonte Nonnemacher. „Wir müssen ihn allerdings mit anderen Faktoren unterfüttern wie der Impfquote, der Zahl der positiven Tests oder der verfügbaren Intensivbetten.“ Auch die Entwicklung gefährlicher Mutanten müsse unbedingt in die Bewertung der Corona-Lage miteinfließen. Die Fälle der Delta-Variante hatten in Brandenburg zugenommen.
Das Gesundheitsministerium gibt jeden Tag die Zahl neuer Infektionen, den Inzidenzwert, die Sterbefälle, die Zahl der Krankenhauspatienten wegen Covid-19 und der Geimpften an. Nach Einschätzung der Bundesregierung soll bei der Lagebeurteilung trotz zunehmender Impfungen weiter die Sieben-Tage-Inzidenz eine wichtige Rolle spielen.
Für die Corona-Regeln ist in Brandenburg vor allem die Sieben-Tage-Inzidenz maßgeblich. Das Potsdamer Kabinett hatte die Corona-Umgangsverordnung am vergangenen Freitag bis Ende Juli verlängert. Im Freien gilt keine Maskenpflicht mehr und bei einer stabilen Inzidenz unter 20 sind keine negativen Tests notwendig.
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