Besorgt schauen Krankenhäuser in Brandenburg auf steigende Zahlen von Infektionen mit dem Coronavirus. Noch sei die Situation in den Krankenhäusern gut, sagte der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg, Michael Jacob, der dpa. Bei Weitem seien noch nicht alle Intensivbetten belegt. Die angespannte Personalsituation könne aber zum Nadelöhr werden, wenn die zweite Corona-Welle in den Krankenhäusern ankomme.
Personal für die Intensivpflege zu bekommen, sei schon zu Normalzeiten schwierig, sagte Jacob. Zum Jahresanfang hätten die Krankenhäuser die Anzahl der Intensivbetten verdoppelt, nicht aber das Personal. Die derzeit geltende Pflegepersonaluntergrenze für die Intensivmedizin, nach der eine Pflegekraft maximal 2,5 Patienten am Tag und 3,5 Patienten in der Nacht betreuen soll, sei bald vielleicht nur schwer einzuhalten.

Drei bis vier Wochen bis sich Corona-Infektionszahlen auswirken

Die steigenden Infektionszahlen bilden sich laut Jacob erst in drei bis vier Wochen in den Krankenhäusern ab. So lange dauere es von einer Ansteckung bis zu einer möglicherweise notwendigen intensiv-medizinischen Versorgung eines Infizierten.
Optimistisch stimme Jacob, dass sich die Krankenhäuser in der Zwischenphase mit niedrigen Infektionszahlen im Sommer auf eine zweite Welle vorbereiten konnten. Die Lager seien mit Schutzausrüstung voll, Verträge mit Großhändlern geschlossen worden. Hygienekonzepte wurden verbessert und umgesetzt. Engpässe dürfe es so schnell nicht geben, sagt er. Sicher sei seine Prognose aber nicht. „Ich habe keine Glaskugel.“

Im Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus tagt täglich der Krisenstab

Im Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus ist die Lage im Augenblick „im grünen Bereich“, wie Sprecherin Anja Kabisch sagte. Seit einigen Wochen setze sich der Krisenstab wieder täglich zusammen, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Alle Dienste seien abgedeckt. „Bislang sieht es nicht so aus, als steuern wir auf eine Situation zu, in der wir den Dienst am Patienten nicht mehr meistern können“, sagte Kabisch. In die Zukunft schauen könne aber auch sie nicht.
Im Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam gibt es derzeit keinen Personalmangel - weder in der Pflege noch bei den Ärzten, sagte Sprecherin Damaris Hunsmann. Aber Betten stünden nicht unendlich zur Verfügung. Man müsse schauen, welche Operationen gegebenenfalls verschoben werden können, wenn die Anzahl von intensiv-medizinisch zu betreuenden Covid-Patienten steige.

Krankenhäuser nicht aus Angst vor Coronavirus meiden

Patienten sollten Krankenhäuser aber nicht aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus meiden. Bei ernsten gesundheitlichen Problemen sollte in jedem Fall der Rettungsdienst oder der Hausarzt kontaktiert werden. Dann werde gemeinsam geschaut, welche Operation und Behandlung notwendig ist und welche nicht, so Hunsmann. So sieht das auch Jacob. Krankenhäuser zu meiden, sei „der falsche Weg“. Die Gefahr einer Ansteckung in den Krankenhäusern sei deutlich geringer als die Gefahr, die drohe, wenn wichtige Behandlungen ausblieben. „Sonst tötet das Virus an ganz anderer Stelle“, warnte Jacob.
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