Herr Dellmann, Sie sind als Vorsitzender des Landesdenkmalbeirates wiedergewählt worden. Was ist das für eine Organisation, die keine Homepage hat und auch sonst kaum in Erscheinung tritt?
Das ist ein ehrenamtliches Gremium, das vom Gesetzgeber die Aufgabe übertragen bekommen hat, das zuständige Mitglied der Landesregierung zu beraten. Wir diskutieren Fragen der Denkmalpflege im Land Brandenburg, der Finanzierung, aber auch der personellen Ausstattung des Landesamtes und der Unteren Denkmalbehörden. Aber wir nehmen auch einzelne Denkmale in den Blick.
Wer ist "Wir"?
Das Gremium besteht aus Wissenschaftlern, beispielsweise vom Fachbereich Denkmalpflege der Fachhochschule Potsdam, der Städte- und Gemeindebund und der Landkreistag sind vertreten und die Architektenkammer. Darüber hinaus gibt es beratende Mitglieder wie  Professor Franz Schopper als Präsident des Landesdenkmalamtes und den Landeskonservator Thomas Drachenberg, sowie Mitarbeiter verschiedener Ministerien.
Sie waren schon in der letzten Legislaturperiode Vorsitzender des Beirates. Was haben Sie bewirkt?
Wir konnten helfen, dass die Landesmittel für die Denkmalpflege aufgestockt wurden. Zweitens beteiligt sich das Land wieder an der Sanierung der Häuser der Schlösser-GmbH. Drittens glaube ich, dass wir zum Bewusstsein beigetragen haben, dass Denkmalschutz kein Hemmschuh sein muss, sondern etwas, das beispielsweise dem Tourismus zugutekommt, wenn es denn gut gemacht wird. Außerdem haben wir uns dafür eingesetzt, dass der Stellenabbau beim Landesamt für Denkmalpflege gestoppt wurde und wieder mehr Fachleute eingestellt werden können.
Was soll in den nächsten Jahren passieren?
In den kommenden Monaten ist mit einer Spardiskussion  zu rechnen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass als Reaktion auf die Corona-bedingten Mehrausgaben nicht bei der Denkmalpflege gestrichen wird. Außerdem wollen wir die Zusammenarbeit zur Baukultur vertiefen. Die gehört für mich eng mit der Denkmalpflege zusammen. Hier brauchen wir eine Vernetzung von Kulturministerium mit dem Bauressort und dem Bereich ländliche Entwicklung.
Es ist viel Kritik zu hören, dass in den Denkmalschutzbehörden der Kreise zu wenig Fachpersonal eingesetzt wird. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?
Das gehört zur Hoheit der Landkreise und kreisfreien Städte. Wir haben da ein wachsames Auge drauf. Und ja, es gibt große Unterschiede von Landkreis zu Landkreis.
Können Sie Problemfälle benennen?
Das versuchen wir direkt anzusprechen und nicht öffentlich Rügen auszusprechen. Aber alle Landräte und Landrätinnen sind gut beraten, hochqualifiziertes Personal in ihren Behörden einzusetzen. Das zahlt sich dann auch für die Bauherren aus.
Beim Projekt des neuen Besucherzentrums für das Brecht-Haus in Buckow (Märkisch-Oderland) haben Sie sich für einen Architektenwettbewerb stark gemacht. Hat sich der Streit gelohnt?
Es ist uns gemeinsam mit der Architektenkammer gelungen, die Diskussion noch einmal neu zu beginnen. Es wurde eine Lösung gefunden, die sich deutlich von den ursprünglichen Plänen unterscheidet. Ich habe die Hoffnung, dass auch der Landkreis gelernt hat, dass es sich lohnt, bei so wichtigen Vorhaben gemeinsam nach den besten Lösungen zu suchen. Dass der Landrat umgesteuert hat, verdient meinen Respekt.

Zur Person


Die politische Laufbahn von Reinhold Dellmann begann nach der Wende in Wandlitz, wo er erst Bürgermeister, dann Amtsdirektor war. 1999 wurde er in den Landtag gewählt. Ab 2004 war der Verkehrstechnologe Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung und musste dafür seinen Sitz im Landtag aufgeben. 2006, als der damalige Minister Frank Szymanski Oberbürgermeister von Cottbus wurde, übernahm Dellmann bis 2009 das Ministeramt.

2009 zog Dellmann erneut in den Landtag ein und verließ die Landespolitik zwei Jahre später. Für mehrere Jahre war er Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin/Brandenburg. Reinhold Dellmann ist 60 Jahre alt und stammt aus der Umgebung von Leipzig. thi