Die Moorlinse bei Bestensee (Dahme-Spreewald) ist nur das kleinste Übel. Pünktlich vor dem Gipfeltreffen von Bahnchef Rüdiger Grube und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist die Schwachstelle im Untergrund zwar beseitigt, doch bis dahin hat das Sumpfgebiet den Fahrplan durcheinander gebracht, weil Züge auf dem etwa 100 Meter langen Gleisabschnitt nicht wie geplant 160 Kilometer pro Stunde fahren durften, sondern auf Tempo 70 drosseln mussten. "Von der angestrebten Pünktlichkeitsquote 96 Prozent sind wir weit entfernt", bedauert Schuchmann - bei Übernahme der Strecke Ende 2012 war gerade mal jeder zweite Zug pünktlich.
Ursachen dafür gibt es viele: Die wohl wichtigste ist nicht nur nach Einschätzung des Odeg-Mannes die Berliner Stadtbahn. Auch Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) fordert am Montag beim Bahngipfel in Cottbus DB-Chef Rüdiger Grube auf, die Stadtbahn zu entlasten und damit den Regionalverkehr zuverlässiger zu machen. Vogelsänger zufolge sind die Fahrgastzahlen zwischen Berlin und Cottbus steigend. "Aber wir haben ein Problem mit der Pünktlichkeit", betont der Minister. Das Nadelöhr ist Spandau. Dort, sagt Schuchmann, bekommen die Odeg-Züge "einen mit". Wer verspätet eingefädelt wird, kommt mit noch mehr Verspätung aus dem Ring wieder raus. "Es ist ein Graus", klagt der Eisenbahner.
Die Odeg, die DB Regio den RE2 von Berlin nach Cottbus abgeluchst hatte, hat hier seit dem Start schlechte Karten. Die neuen Fahrzeuge des Herstellers Stadler-Pankow sind noch immer nicht ausgeliefert, so dass sich das Unternehmen das nötige Equipment beim Mitbewerber ausleihen muss. Doch die DB-Loks seien längst nicht so spurtstark wie die bestellten "Kiss"-Triebwagen. Zudem kostet das Ein- und Ausfahren der sogenannten Schiebetritts, flexibler Ein- und Ausstiegsstufen, wertvolle Zeit. "Es gibt Haltepunkte, wo im Fahrplan 30 Sekunden vorgesehen sind", sagt Schuchmann. Solange dauere aber schon das Aus- und Einfahren der Trittschwelle - erst dann würden sich die Türen öffnen. "Deshalb haben wir beantragt, die Haltezeiten zu verlängert, aber das müssen die Aufgabenträger entscheiden", sagt er.
Auf höherer Ebene muss eine ganz andere Entscheidung fallen, um Züge auf der modernisierten Strecke voll ausfahren zu können. Das Land hat den zweigleisigen Ausbau des Abschnitts zwischen Lübbenau und Cottbus im Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet. Bislang kann die Strecke nur eingleisig befahren werden. Das hat laut Schuchmann zur Folge, dass Odeg-Züge schon mit Verspätung den Bahnhof Cottbus verlassen, weil die Strecke nicht frei ist. "Wir stehen in Brandenburg in Sachen Pünktlichkeit vor einem Problem", gibt Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr bei der Bahn, zu.
Sein Chef Rüdiger Grube vermittelt beim Bahngipfel jedenfalls den Eindruck, die lange Mängelliste nicht nur auf dieser Strecke abarbeiten zu wollen. "Wir investieren bis Ende 2017 1,3 Milliarden Euro in die Infrastruktur", kündigt er an. Das soll dann eine um etwa 30 Minuten kürzere Fahrzeit im Fernzug von Berlin nach Dresden bringen und auch den Verkehr von Angermünde nach Stettin aufwerten. In Brandenburgs Bahnhöfe fließen in diesem Jahr 29 Millionen Euro. Das größte Projekt ist der Umbau des Cottbuser Bahnhofs innerhalb der nächsten vier Jahre für 23 Millionen Euro.