"Eigentlich müsste Falko jetzt seine verdienten Sonderurlaub am Pool genießen und sich von zwei Chinchilla-Damen die Ohren schlecken lassen", scherzt Zollamtsleiter Siegmund Poloczek, als er nach dem Held von der A12 gefragt wird. Doch Falko, die schwarzbraune Supernase, ist auch heute wieder im Dienst. Momentan liegt der Deutsche Schäferhund in einer Box eines VW-Transporters auf dem Gelände des Hauptzollamts in Frankfurt und wartet auf seinen nächsten Einsatz. Die Zeit vertreibt sich der Rüde mit Riesenschnauzer-Dame Akoko, die auf Zigaretten-Schmuggler spezialisiert ist.
Für seinen spektakulären Drogen-Einsatz am vergangenen Donnerstag hat Falko als Belohnung eine große Wurst bekommen. "Er weiß nicht, dass er da so einen riesigen Fund gemacht hat, für ihn ist das immer nur ein Spiel", sagt sein Herrchen und Hundeführer.
Der enorme Spieltrieb seines Zöglings war auch ein Kriterium, warum der Zollbeamte aus Oder-Spree Falko als Welpen zu sich nahm. Denn die Lust am Toben und Jagen ist neben Mut und Coolness einer der Grundvoraussetzungen für einen Zollfahndungshund. Statt Stöckchen jagt Falko im täglichen Training eine weiße Kartusche, in die sein Herrchen ein Stück Haschisch gelegt hat.
Ernst wird es, wenn der Zollim Grenzhinterland von Forst (Spree-Neiße) bis Oderberg (Barnim) seine mobilen Kontrollstellen aufbaut und die beiden zur Unterstützung anfunken. So war es auch an dem Tag des Mega-Fundes. Die Kollegen hatten auf der A12 kurz vor Frankfurt den Pkw eher zufällig heraus gewunken. Falko schnüffelte sich in gewohnter Weise an dem Auto entlang, stellte plötzlich die Ohren auf und schlug verhalten an. "Ohne ihn hätten wir das Kokain nie entdeckt", sagt der Hundeführer, der seinen richtigen Namen angesichts des Fundes im Marktwert von 400 000 Euro lieber für sich behält. Die zwölf Päckchen mit zehn Kilo Kokain waren im Tank des Autos versteckt.
Sie zu erschnüffeln hat der schwarzbraune Diensthund auf Hundeschulen am Bodensee und in der Nähe von Lüneburg in vielen mehrwöchigen Kursen gelernt. In einem knallharten Auswahlverfahren musste Falko nicht nur beweisen, dass er Drogen und Personen erschnüffeln, sondern auch die Zöllner zu beschützen, beziehungsweise Täter stellen kann. "Es gibt kein deeskalierenderes Mittel als unsere Hunde", berichtet Zollamtsleiter Siegmund Poloczek. "Wenn die dabei sind, gehen auch stark alkoholisierte Fußballfans mit Baseballkeulen im Kofferraum auf Hab-Dich-Lieb-Kurs."
Vor Falkos Art zuzupacken, haben auch die Hundeführer ordentlich Respekt. Bevor sie bestimmte Situationen trainieren, schlüpfen die Zöllner in Schutzanzüge aus dickem Leder und werfen eine gepolsterte Jacke über. Obwohl der "Beißarm" extra dick ist, tragen die Kollegen jedes Mal blaue Flecken davon, wenn sie in die Rolle eines Angreifers schlüpfen. Wie ein Pfeil schießt Falko dann hinter dem vermeintlichen Schmuggler hinter her. Wer sich ergibt, wird so lange heftig angebellt, bis der Hundeführer das "Ablassen"-Signal gibt. "Der Einsatz geschieht immer mit Vorwarnung. Damit der Mensch auch ein Chance hat, sich zu stellen", erläutert Falkos Herrchen. Wird jedoch jemand gewalttätig oder flüchtet, wird er von dem Hund am Arm gepackt und zu Boden geworfen.
Nach Schichtende wird aus dem zähnefletschenden Wolf zu Hause auf dem Vierseitenhof plötzlich ein Schmusetier. "Ich habe sehr darauf geachtet, dass Falko auch lieber Hund wird", erklärt der Beamte. "Ich möchte nicht nur eine aggressive Waffe haben. Das will kein Hundeführer", sagt der Vater von zwei Kindern.
Er hat Falko nicht nur großgezogen, sondern wird ihn auch behalten, wenn er irgendwann nicht mehr die jährlichen Prüfungen besteht. Dass die Diensthundeführer ihren Tieren das Gnadenbrot geben, ist Ehrensache. Sein erster Hund Rex wurde im Alter von elf Jahren ausgemustert. "Vor dem EU-Beitritt Polens musste ich noch mit ihm nachts durch die Walachei laufen. Da hat er mich vor so mancher brenzliger Situation bewahrt", erinnert sich der 39-Jährige. Vor drei Wochen ist Rex bei ihm zu Hause gestorben. Falko mit seinen vier Lenzen hat dagegen seine Karriere noch vor sich. Die Schmuggler müssen sich also warm anziehen.