Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen haben in vielen märkischen Kommunen die Digitalisierung vorangetrieben. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die letzten Monate haben deutlich gemacht, dass Digitalisierung für die Verwaltung zwingend notwendig ist, um flexibel und belastbar zu bleiben“, sagt etwa Jan Gloßmann, Sprecher der Stadt Cottbus. Die Stadtverwaltung habe sehr schnell reagiert und beispielsweise einen Arbeitsplatz im Homeoffice für 35 Prozent der rund 1400 Beschäftigen geschaffen. Auch künftig solle der Aufbau digitaler Infrastrukturen forciert werden.

Modellprojekt „Smart Cities“ in Cottbus

Cottbus hat dem Sprecher zufolge schon 2018 eine „Digitale Agenda“ verabschiedet, die Strategien und Maßnahmen zur Gestaltung der Digitalisierung aufzeige. Zudem mache man bei dem Modellprojekt „Smart Cities“ mit. Hier stünden in den kommenden fünf Jahren bis zu 15 Millionen Euro Fördermittel für die Strategie „Digitale Stadt Cottbus“ zur Verfügung. Den ersten digitalen Meilenstein habe das Carl-Thiem-Klinikum (CTK) setzen können. „Mit dem 'Express Check-In' können sich Patienten schnell und bequem selbst im Klinikum aufnehmen“, erklärt Gloßmann. In einem nächsten Schritt solle eine CTK-Check-In App eingeführt werden. 

Digitale Antragsstellung in Potsdam

Auch in der Landeshauptstadt Potsdam hat die Krise neue Erkenntnisse mit Blick auf die Digitalisierung gebracht. „Die Corona-Krise hat insbesondere die technologische Ausstattung sowie die Weiterentwicklung der Arbeits- und Führungskultur im Hinblick auf mobiles Arbeiten beschleunigt“, sagt Stadtsprecherin Juliane Güldner. In der Stadt gebe es bereits einen umfangreichen digitalen Service für die Bürgerinnen und Bürger. Das betreffe etwa Melderegisterauskünfte, Statusabfragen zum Personalausweis und Kfz-Wunschkennzeichen. Die Antragstellung erfolge online. „Die digitalen Angebote werden von Bürgern sehr gut angenommen.“

Förderung der Digitalisierung von Schulen in Perleberg

In Perleberg (Prignitz) hat die Krise das für Mitarbeiter der Stadtverwaltung ohnehin schon geplante Arbeiten aus dem Homeoffice beschleunigt. Laut Stadtsprecherin Nicole Drescher ist ein weiteres Thema im Zusammenhang mit Corona die Schuldigitalisierung. „Durch das Bereitstellen von zusätzlichen Fördermitteln kann die vorhandene IT zeitnah aufgewertet und verbessert werden“, sagt sie.

Tablets statt Papier

Auch soll der Papierverbrauch in Perleberg reduziert werden, beispielsweise über einen digitalen Sitzungsdienst. „Die Stadtverordneten, sachkundigen Einwohner sowie die Ortsvorsteher wurden mit Tablets ausgestattet, was zu erheblichen Einsparungen beim Papierverbrauch beiträgt“, sagt Drescher. Nach einer Übergangsphase bis zum 31. Oktober würden dann Unterlagen zur Stadtverordnetenversammlung und zu den Ausschüssen ausschließlich digital versandt.

Fachpersonal fehlt

Künftig ist laut der Sprecherin in der Prignitz-Kreisstadt die digitale Antragsstellung auf Landesebene in Zusammenarbeit mit den Kommunen oberstes Ziel. Das ist auch in Potsdam geplant. „Ziel ist es, den digitalen Zugang der Bürger zu den öffentlichen Dienstleistungen weiter auszubauen“, sagt Stadtsprecherin Güldner. Die größte Herausforderung für die Kommunen ist dabei jedoch die Akquise entsprechenden Fachpersonals, wie aus den Verwaltungen zu hören ist.