Zugleich hat Kürzer beim Landrat die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Lebuser Amtsdirektor Heiko Friedemann beantragt. Dies mit der Begründung, dass der Verwaltungschef mit seiner Entscheidung zum Abschuss seine Dienstpflichten verletzt habe. "Er hat mit seinem Verhalten der Stadt Lebus einen erheblichen Ansehensverlust zugefügt und das nachbarschaftliche Verhältnis zu Polen enorm beschädigt", so der Stadtverordnete.
"Die Entscheidung zum Abschuss war richtig", schätzt hingegen der Frankfurter Wolfgang Hagen ein. Er hatte den Wisent als erster entdeckt und schildert, welchen Eindruck das auf ihn gemacht hat: "Ich hatte am Lebuser Busch Kräuter gesammelt, als ich das große Tier plötzlich vor mir sah. Das hat mich schon in Panik versetzt. In gehörigem Abstand versuchte ich, mein Auto zu erreichen und die Bewohner des nächsten Gehöfts zu informieren", schildert er die Minuten, in denen er auch Angst hatte, wie er beschreibt.
Das weitere Geschehen hat er dann mitverfolgt: Der Wisentbulle sei zunächst über den Deich ins Vorland gegangen. Als die Jäger mit ihren Geländewagen kamen, senkte das Tier die Hörner und setzte sich Richtung Lebus in Bewegung, wo eine Kuhherde weidete. Der Bulle versuchte, zu den Kühen zu kommen, ein Elektrozaun verhinderte das. Dann zog das Wisent in Richtung Anglerheim. "Es war bedrohlich. Ich bin überzeugt, dass die Gefahrenabwehr nötig war", so Wolfgang Hagen. "Hier ist doch kein Zoo!"
Der von der Polizei angerufene Tierarzt Wilhelm Drewes aus Strausberg kritisierte, dass es in der Kreisverwaltung Märkisch-Oderland für solche Fälle kein Betäubungsgewehr mehr gebe. Er habe auch am Wochenende wieder ein Ersuchen zur Betäubung von entlaufenen MiniZebus absagen müssen.