Der Trend hält laut Polizei bereits seit vielen Jahren an: Wurden 2006 in der Mark rund 14 300 Wildunfälle registriert, waren es 2016 schon 2200 mehr. "Zum Glück bleibt es meist bei Sachschäden", sagt Polizeisprecherin Stefanie Klaus mit Verweis auf die Statistik. Nur ungefähr jeder hundertste Wildunfall führe zu verletzten Fahrern. Nachdem es von 2013 bis 2015 keine Toten gab, starb 2016 ein Motorradfahrer nach der Kollision mit einem Reh.
Die Polizeisprecherin ruft zu besonderer Vorsicht auf: "Gerade jetzt nach der Zeitumstellung sind viele Autofahrer morgens und abends in der Dämmerung unterwegs. Das ist auch die Zeit, in der die Wildtiere bevorzugt auf Nahrungssuche sind." Es gelte, aufmerksam zu sein und die jeweils vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit zu beachten.
"Wenn Wildtiere plötzlich die Fahrbahn queren, sollte man die Geschwindigkeit mäßig, aber nicht abrupt verringern. Das Lenkrad festhalten, die Fahrtrichtung beibehalten und nicht versuchen hektisch auszuweichen", rät Klaus. "Ein Aufprall auf einen Baum beim Ausweichen ist in der Regel verheerender als ein Zusammenstoß mit einem Wildtier."
Einen Zusammenhang zwischen der hohen Zahl von Wildunfällen und den derzeit vielerorts stattfindenden Jagden sieht die Polizei indes nicht. Auch Cornelia Mitschka, Sprecherin des Landesbetriebs Straßenwesen, betont, dass Warnschilder mit der Aufschrift "Treibjagd" nicht so zu verstehen seien, dass Autofahrer dort besonders gefährlich leben. "Das sind reine Vorsichtsmaßnahmen. Die Jäger treffen zahlreiche Vorkehrungen, damit bei den Jagden gerade kein Wild auf die Straße läuft", so Mitschka.
Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbands, führt die derzeit besonders große Aktivität des Wilds ebenfalls nicht auf den Jagd-Druck zurück, sondern auf die Suche nach Nahrung: "Es gibt in diesem Jahr wenig Bucheckern und Eicheln. Jetzt ist außerdem die Maisernte vorbei. Den Tieren fehlen Nahrung und Lebensraum. Deshalb gehen sie verstärkt auf Wanderschaft." Ein Wildschwein könne so bis zu 20 Kilometer in einer Nacht zurücklegen.
Den Anstieg der Wildunfälle führt Reinwald auf das wachsende Verkehrsaufkommen zurück. Auch würden immer mehr Autofahrern die Kenntnisse fehlen, wie mit der Gefahr von Wild auf der Straße umzugehen sei. "Wenn die Leute wüssten, dass die Tiere dämmerungsaktiv sind und Geschwindigkeiten von Autos nicht einschätzen können, würden sie ihre Fahrweise anpassen", glaubt Reinwald.