Als Sohn eines Gärtners ist Andreas Vogel quasi von Hause aus ein Pflanzen-Kenner. Schon als Kind hatte er sich für die grüne Welt interessiert. Später schloss er ein Studium zum Pflanzenbauer ab. Heute bewirtschaftet der 52-Jährige in der Nähe von Saalow (Teltow-Fläming) etwa 1500 Hektar Acker und Grünland. Das Hauptaugenmerk des Landwirts aber liegt längst nicht mehr auf seinen Pflanzen. Vielmehr ist Vogel inzwischen in der Tierhaltung angekommen. Auf seinem Hof mästet er seit einigen Jahren das "Saalower Kräuterschwein".
Das Besondere an Vogels Schweinen ist, dass sie täglich Kräutersamen zu Fressen kriegen. Die Kräuter wie Kornblume, Kamille oder Mohn wachsen inmitten von Getreide auf Vogels eigenen Feldern. Dort produziert er den Großteil seines Schweinefutters selbst. Werden Gerste, Roggen und Weizen geerntet, lagert er die Kräutersamen einfach mit ein. Vogel ist überzeugt, dass diese Mischung für den großen Appetit seiner Tiere sorgt. "Das Futter schmeckt ihnen einfach besser als gewöhnliches", sagt der 52-Jährige. Obendrein seien die Kräuter gut für die Gesundheit seiner Tiere. Von gentechnisch verändertem Futtermittel hält der Landwirt hingegen nichts. Darauf verzichte er komplett, versichert Vogel.
Das Idealbild der Schweinemast - Tiere, die sich unter freiem Himmel im Dreck suhlen oder auf sattgrünen Wiesen grasen, - sucht man bei ihm aber vergeblich. Er setzt auf konventionelle Mast im Stall. Gleichzeitig will er seinen Betrieb möglichst ökologisch bewirtschaften und seine Schweine so gut es geht artgerecht halten. Zum Beispiel hat er seine Schweinebuchten mit diversem Spielzeug ausgestattet. Die Sachen seien eine entscheidende Angelegenheit für das Wohlbefinden insbesondere der verspielten Jungtiere, meint Vogel. Sie kauen auf Jutesäcken rum oder beißen in Kugeln, die dann Geräusche machen. "Das ist ein bisschen wie bei Babys."
Um die 2000 Schweine mästet Vogel gleichzeitig in seinem Stall. Seine Ferkel bezieht er von einem Kooperationsbetrieb ganz in der Nähe. Pro Jahr kommt er auf drei Mastdurchgänge. Einen Teil seiner Tiere lässt Vogel nur rund zehn Kilometer entfernt von einem Fleischer in Trebbin schlachten. Er will den Schweinen den Stress eines langen Transportweges möglichst ersparen, sagt er. Das klappt allerdings nicht immer. Denn der Landwirt ist auch auf einen Schlachthof in Sachsen-Anhalt angewiesen. "Zur Wende gab es in Brandenburg noch 21 Großschlachthöfe, jetzt keinen mehr", bedauert der Betriebschef, der fünf Mitarbeiter beschäftigt.
Demnächst nimmt er einen zweiten Stall in Betrieb. Vogel sagt, die neue Anlage ist nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Etwa zwei Millionen Euro hat er investiert. Der Stall inklusive Klimaanlage, Frischluftzufuhr und Fenstern zählt 18 Abteile mit je zwölf Buchten, in denen wiederum jeweils bis zu zehn Tiere Platz haben. Theoretisch könnte Vogel dort 2160 Tiere gleichzeitig mästen. "Wir sorgen freiwillig dafür, dass die Schweine mehr Platz haben als der Gesetzgeber vorschreibt", betont er. Zwischen 1900 und 2000 Schweine will Vogel im neuen Stall ständig versorgen. Zum Vergleich: In Brandenburgs größter Schweinemastanlage in Tornitz (Oberspreewald-Lausitz) stehen rund 64 000 Schweine.
Eine Riesenanlage wie diese kommt für Vogel nicht infrage. Er sagt, dass etwa das Risiko für Krankheiten mit der Größe des Stalls wächst. Vogel hingegen würde am liebsten ganz ohne Medikamente auskommen. Bei ihm werden ausschließlich kranke Tiere behandelt, versichert er. Medikamente zur Vorsorge lehnt er ab. Ein anderes Beispiel: Bei größeren Anlagen fallen größere Mengen Gülle an, die wiederum auf größeren Flächen verteilt werden müssen. Entsprechend weiter werden die Wege, die von den Gülle-Fahrzeugen zurückgelegt werden müssen. "Das kann nicht ökologisch sein", meint Vogel, der seine Gülle als Düngemittel für die eigenen Felder vor der Haustür verwendet oder in der eigenen Biogasanlage in Wärme umwandelt. "Wir müssen nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch arbeiten", lautet Vogels Ansatz. "Dafür brauchen wir kleinere Anlagen."
Der Landwirt meint, dass inzwischen immer mehr Verbraucher bereit sind, einen fairen Preis für Wurst und Fleisch zu bezahlen. Er hat sich inzwischen einen Namen in der Region gemacht. Seine Abnehmer sind neben der Trebbiner Fleischerei vor allem gehobene Restaurants.
Vor Kurzem ist Vogel der "Initiative Tierwohl" beigetreten. Das Gemeinschaftsprojekt von Unternehmen der Fleischbranche und des Handels wurde gegründet, um auf Probleme in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu reagieren. Mitglieder verpflichten sich zur Umsetzung von bestimmten Kriterien, die deutlich über die gesetzlichen Forderungen hinausgehen. Trotzdem muss sich auch Vogel Protest gefallen lassen. Anwohner hatten eine Bürgerinitiative gegründet, um seinen neuen Stall zu verhindern. Sie befürchten eine Geruchsbelästigung und Umweltschäden. So richtig nachvollziehen kann Vogel den Widerstand nicht. Er sagt aber: "Die Denkansätze der Gegner haben einen realen Kern. Wir Landwirte müssen kontrollieren, ob wir auf dem Irrweg sind oder nicht."