Heute vor genau einem Jahr war es passiert: Am späten Nachmittag des 13. September 2017 war in der Nähe des Oderdeiches bei  Lebus (Märkisch Oderland) ein Wisentbulle aufgetaucht, was bei Augenzeugen für Unruhe sorgte.
Wie sich später herausstellen sollte, war der mächtige, fast 900 Kilo schwere Bulle von Polen durch die Oder nach Deutschland geschwommen. Nachdem Polizisten das Gelände absicherten und einen Tierarzt informierten, der jedoch über kein Betäubungsgewehr verfügte, wurde gemeinsam mit dem Ordnungsamt entschieden, das Tier zu erschießen.
Der Vorfall sorgte bei Umweltschützern und auch in Polen für Empörung. Östlich der Oder war das Tier schon wochenlang durch den Nationalpark Warthemündung gestreift.
Zunächst stellte die Umweltschutzorganisation WWF eine  Strafanzeige gegen den zuständigen Ordnungsamtsleiter, kurze Zeit später stellte auch Brandenburgs Grünen-Fraktionschef Axel Vogel Strafanzeige wegen Jagdwilderei.
Im Juni dieses Jahres stellte die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) ihre Ermittlungen in dieser Sache jedoch ein. Die Entscheidung, dass von dem Tier eine Gefahr ausgehe, sei zum damaligen Zeitpunkt richtig gewesen, hieß es zur Begründung. Zudem sei der Abschuss kurz vor Einbruch der Dunkelheit erfolgt,  Damit habe man verhindern wollen, dass es zu Unfällen kommt.
Inzwischen hat die Generalstaatsanwaltschaft des Landes Brandenburg auch die Beschwerde abgewiesen, die Axel Vogel gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens eingelegt hatte. Aus der Einstellungsmitteilung ergibt sich, dass in der Nähe des Wisents zwei Herden mit Rindern gestanden haben, welche nach Einschätzung eines Zeugen durch einen Niederriss der Koppel durch den Wisent angeblich auf eine benachbarte Straße hätten durchbrechen  und damit  unkontrollierbar hätten werden können.
Aus Anlass des Jahrestages des Vorfalls kündigte der Grünen-Politiker am Mittwoch an, dass er sich damit nicht zufrieden gebe und weitere Rechtsmittel prüfe. Die Fraktion stehe dazu in Kontakt mit einem Fachanwalt. Dieser soll gutachterlich klären, unter welchen Bedingungen ein so genanntes Klageerzwingungsverfahren in dem Fall Aussicht auf juristischen Erfolg habe.
„Es geht mir hier um einen Fall mit grundsätzlicher Bedeutung für den Umgang mit zugewanderten, besonders geschützten Tieren. Die hiermit verbundenen Fragen könnten auch auf den Umgang mit Elchen oder Wölfen übertragen werden“, betonte Vogel. Er werde den Fall deshalb auch weiter nicht auf sich beruhen lassen.
Schon wenige Tage nach dem Vorfall hatte sich freilich auch der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD), gegenüber seiner polnische Amtskollegin in Gorzów für den Abschuss entschuldigt. Mittlerweile führten beide Landkreise auch einen Workshop mit dem Titel „Wilde Tiere kennen keine Grenzen“ durch. Dabei sicherte man sich eine bessere gegenseitige Information über die auf beiden Seiten der Oder lebenden Großtiere zu.