Das Bild, das Grit Brinkmann, Amtsdirektorin von Neuhardenberg, am Freitag in der Enquetekommission des Landtages in Potsdam zeichnet, ist düster: Spätestens 2030 seien die Freiwilligen Feuerwehren personell so ausgedünnt, dass sie nicht mehr zu Einsätzen ausrücken können. „Dann erreichen wir die Sollstärken – das sind mindestens zwölf Kräfte am Standort – nicht mehr“, erklärt sie. Die Unterbesetzung der Wehren ist ein bundesweites Problem, aber in Brandenburg ist der Rückgang am dramatischsten: Mit fast 14 Prozent ist der Einsatzkräfteschwund zwischen 2010 und 2015 bundesweit am höchsten, sagt Annett Steinführer vom Thünen-Institut in Braunschweig. „Viele freiwillige Feuerwehren können ihren Schutzauftrag oft nicht mehr wahrnehmen“, betont die Forscherin. Die sogenannte Tageseinsatzbereitschaft, bestätigt der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg, Werner-Siegwart Schippel, ist flächendeckend nicht mehr gegeben.
Ein Grund ist, dass die ehrenamtlichen Kräfte zwischen Wohn- und Arbeitsort pendeln. „Brandenburg ist das größte Pendlerland“, betont Schippel und regt eine Beschäftigung freiwilliger Kräfte in öffentlichen Verwaltungen an. „Wir sind angewiesen auf Menschen, die ihre Arbeitszeit in der Nähe des Wohnortes verbringen.“
Genau dieses Modell verfolgt Amtsdirektorin Grit Brinkmann mit Nachbarkommunen mit dem „MoRo-Projekt“ in der Oderlandregion. Um ehrenamtliche Einsatzkräfte in der Region zu halten, werden sie nach Möglichkeit kommunal beschäftigt. Dies ist Bestandteil des interkommunalen Gefahrenabwehrplans, in dem es auch um eine einheitliche Ausbildung, gemeinsame Investitionen in Technik und Nachwuchsgewinnung durch Werbung in Kitas und Schulen geht.
Dies fruchtet inzwischen nicht nur in Brandenburg. Die Kurve beim Nachwuchs steigt seit 2010 langsam an. Zahlen des brandenburgischen Innenministeriums zufolge von 9220 im Jahr 2010 auf knapp 11 000 im Jahr 2015. „Der kritische Moment ist aber der Übergang von der Jugendfeuerwehr zur aktiven Einsatzeinheit“, warnt Frank Stolper vom Innenministerium.
Die Landesregierung bemüht sich, das Ehrenamt beispielsweise durch Prämien attraktiv zu machen. „Man muss das Ehrenamt anerkennen. Wenn wir dieses Modell verlassen, bleiben nur noch hauptamtliche Feuerwehrkräfte – und das ist nicht bezahlbar“, stellt Schippel klar.
Dass Gefahr in Verzug ist, habe die diesjährige Waldbrandsaison gezeigt. Das Waldbrandrisiko in Brandenburg, sagt Michael Bialek, Chef der Berufsfeuerwehr in Brandenburg an der Havel, ist inzwischen so hoch wie in Griechenland.