Wolf-Dieter Hickstein hat die Hoffnung längst aufgegeben. Solange Schloss Reichenow seine jetzigen Pächter behalte, werde die Situation schwierig bleiben, prophezeit der Bürgermeister des 450 Einwohner zählenden Dorfes am nördlichen Rand der Märkischen Schweiz. Er sei traurig, dass schon seit geraumer Zeit keine öffentlichen Veranstaltungen mehr im Schloss stattgefunden hätten. Zu den Pächtern habe er inzwischen keinen Kontakt mehr. "Ich bin sehr enttäuscht", sagt Hickstein. Dabei habe doch alles so verheißungsvoll angefangen.
Es war im Frühjahr 2014, als sich zwei Geschäftsleute den Vertretern der Gemeinde vorstellten und ihnen ihre Vision von der Zukunft des Schlosses präsentierten. Das Konzept der jungen Leute überzeugte. Und zwar nicht nur die Dorfgemeinschaft, sondern vor allem auch die Eigentümerin des Prachtbaus - die Brandenburgische Schlösser GmbH.
Die gemeinnützige Gesellschaft hatte den neogotischen Bau samt Gutshof und Park bald nach der Wende von der Kommune übernommen und noch in den 90ern mit finanzieller Unterstützung des Landes Brandenburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf Vordermann gebracht.
Ab 1997 diente das herrschaftliche Haus als Hochzeitshotel mit knapp zwei Dutzend Zimmern. Damals wurde es von zwei Frauen betrieben, die das Schloss schnell zu einem beliebten Ziel insbesondere für Kurzurlauber aus Berlin machten. 15 Jahre lang wehrte der Erfolg, dann lief der Pachtvertrag aus. Und weil sich die Frauen nicht noch einmal längerfristig an das Objekt binden wollten, mussten sie es Ende 2012 aufgeben.
Danach stand das Schloss vorübergehend leer, weil es die Schlösser GmbH brandschutztechnisch auf den neuesten Stand bringen ließ. Doch bald nach Abschluss der Arbeiten konnten die neuen Betreiber im Frühjahr 2015 die Schlüssel in Empfang nehmen. Damals betrieben sie in Berlin eine Bürogemeinschaft mit modernen Arbeitsplätzen. Schloss Reichenow wollten sie - wie ihre Vorgänger - als kleines Hotel betreiben, in dem auch Hochzeiten, andere Feierlichkeiten und Tagungen hätten stattfinden können. Vor allem aber wollten die neuen Pächter das Schloss zum kulturellen Zentrum der Gemeinde entwickeln, was sowohl von der Gemeindevertretung als auch von der Schlösser GmbH ausdrücklich begrüßt wurde.
"Anfangs wurde dieses Versprechen auch eingehalten", berichtet Bürgermeister Hick-stein. "Zum Beispiel haben wir unser Erntedankfest im vergangenen Jahr vorm Schloss gefeiert." Doch schon bald danach sei der Bruch gekommen. Die Pächter hätten sich fortan abgeschottet.
Die Schlösser GmbH hat inzwischen die Auflösung des Pachtvertrags eingeleitet, wie Geschäftsführer Wolfgang Illert bestätigt. Als er das Schloss kürzlich mal besucht hat, sei alles "verrammelt" gewesen - von einem Hotelbetrieb keine Spur und auch nicht von einem guten Miteinander mit den Reichenowern. Schloss und Parkanlage sind mittlerweile nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Hauptgrund für das inzwischen absehbare Ende der Zusammenarbeit sei aber, dass keine Miete gezahlt würde. "Und zwar schon so lange, dass wir jetzt die Reißleine ziehen mussten", berichtet Illert. Wie hoch der monatliche Mietpreis ist, will er nicht sagen. Nur, dass es sich um einen hohen vierstelligen Betrag handelt.
Auf einiges an Mieteinnahmen musste auch Jürgen Lindhorst, der Besitzer des historischen Rittergutes im benachbarten Möglin, verzichten. In seiner denkmalgeschützten Anlage mit Gutshaus und Nebengebäuden hatten sich besagte Herren Anfang 2014 ebenfalls eingemietet - mit der Idee, dass Schloss und Gutshof doch die perfekte Kombination seien. Vor einigen Monaten mussten sie das Anwesen allerdings wieder verlassen. Dabei sei die nicht gezahlte Miete nur ein Punkt gewesen, sagt Lindhorst. Letztlich habe eine Hausdurchsuchung den Ausschlag für die Beendigung des Mietverhältnisses gegeben.
Anfang Dezember 2015 hatten Beamte des Berliner Landeskriminalamtes Gutshof und Schloss durchsucht. Dabei beschlagnahmten sie Kunstgegenstände, die die Pächter der Anwesen vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales gemietet hatten. Weil sie die Miete aber nicht gezahlt haben sollen, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Berlin.
Indes stellt sich die Frage, wie es im Schloss Reichenow weitergeht. Wolfgang Illert macht sich über die Zukunft des Hauses keine Sorgen. Er sei zuversichtlich, dass die Schlösser GmbH alsbald einen neuen Pächter finden wird. "Schade ist allerdings, dass uns die Zeit davonläuft." Die jetzt anstehende Saison könne man wohl abschreiben.