Schon als Jugendlicher zu DDR-Zeiten interessierte er sich für Politik. Die "Rotlichtbestrahlung" ging ihm gehörig auf die Nerven, also die verordnete Propaganda. Mario Borchert lief bei den Leipziger Montagsdemonstrationen mit. Als es nach der friedlichen Revolution von 1989 um die Verteilung von Posten ging, verlor er den Kontakt zur Politik, startete eine Karriere bei der Bundespolizei. Inzwischen ist er Unternehmensberater und Gemeindevertreter. Er engagiert sich also wieder.
Am 24. September nun tritt der 46-jährige Familienvater als unabhängiger Direktkandidat bei der Bundestagswahl an. Das Besondere ist, dass er nur ein Thema hat: den Wolf. Was etwas verrückt anmuten mag, kann Mario Borchert sehr gut erklären. "Es ist auf dem Land ein sehr populäres Thema, das niemand sonst ordentlich behandelt", sagt er. Politiker aller Parteien würden zwar dies und das dazu erklären, aber dann doch nur abwarten und sich hinter dem geltenen EU-Recht verstecken.
Unerträglich findet Borchert das. "Alle machen es sich bequem, während die Landbevölkerung zu Versuchskaninchen im Umgang mit dem Wolf erklärt wird." Woran die Landesregierung unter dem Titel Wolfsmanagement-Plan arbeite, verdiene diesen Titel nicht, sondern sei ein bloßes Trostpflaster, meint er. "Es passiert nichts. Der Schutzstatus des Wolfes wird nicht angetastet."
Genau das sei aber notwendig, deshalb ziehe er mit dieser Forderung in den Wahlkampf: "Die Wolfsbestände müssen reguliert werden." Man könne es auch technisch ausdrücken, sagt der Jäger: Wildtier-Bestände werden "bewirtschaftet". Genau so müsse es auch bei diesem "Großraubtier mit Gefährdungspotenzial für unsere Lebensweise" laufen. Niemand rede von einem neuerlichen Ausrotten. Die Art habe jedoch in Brandenburg den sogenannten günstigen Erhaltungszustand erreicht, sei nicht mehr vom Aussterben bedroht.
Nach Angaben des Agrar- und Umweltministeriums gibt es in Brandenburg derzeit 22 Wolfsrudel beziehungsweise 200 Tiere, ein Drittel der bundesweiten Bestände. Aber klar belegt seien diese Zahlen nicht. "Das ist alles sehr diffus", kritisiert Mario Borchert.
Die Landesregierung müsse endlich ein fundiertes wildbiologisches Gutachten erstellen lassen, fordert er. Nur auf dieser Basis könne man dann den Schutzstatus lockern, den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen und Tiere entnehmen, wenn bestimmte Quoten überschritten sind. "In den EU-Ländern Schweden und Lettland werden auch Wölfe geschossen." Dem Brandenburger Minister Jörg Vogelsänger (SPD) hält Borchert vor, bloße Schaufensterpolitik zu betreiben, indem er etwa an den Wolfswachen besorgter Nutztierhalter teilnehme. "Damit löst er kein Problem."
Borchert prangert an, dass Brandenburg mit Vogelsängers Linie unnötig Zeit verliere. "Die Tiere vermehren sich mit einer Dynamik von jährlich 30 Prozent. Wir wissen, wohin die Reise geht. Ohne Regulierung haben wir in acht Jahren bundesweit 2000 Wölfe."
Im Wissen, dass entsprechende Regelungen ihre Zeit brauchen, müsse die Politik jetzt beginnen, Vorsorge zu treffen. Konkret heiße das für Brandenburg, jenes wildbiologische Gutachten erstellen zu lassen. Und für den Bund, Änderungen im Jagdrecht ins Auge zu fassen.
"Wir müssen weg vom Wunschdenken und hin zu einer Politik der praktischen Vernunft, die Probleme löst." Mit dieser Formel will er auch seine prominenten Mitbewerber im Wahlkreis 56 (Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Havelland I) zu einer klaren Positionierung in Sachen Wolf veranlassen. Auf dem Wahlzettel stehen über ihm Mandatsinhaber Sebastian Steineke (CDU), Brandenburgs Ex-Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD) und Kirsten Tackmann, Agrarexpertin der Linken im Bundestag. Für den 2. September will Borchert sie allesamt zu einer Diskussionsveranstaltung über die Nutztierhaltung und den Wolf einladen. Gregor Beyer vom Agrar-Lobbyverband Forum Natur Brandenburg will das Treffen moderieren.
Borchert weiß, dass er das Mandat am 24. September nicht holen wird. "Das hat noch kein unabhängiger Kandidat geschafft." Aber eine gewisse Anzahl an Stimmen für ihn wären in seinen Augen ein deutliches Zeichen für die Bedeutung des Themas.
Dass es vielleicht gar nicht so absurd ist, als Einzelkandidat die politische Monokultur Wolf anzubieten, zeigt ein Blick nach Niedersachsen. Dort rechtfertigte jüngst Elke Twesten, Überläuferin von den Grünen zur CDU, ihren Abschied von der Öko-Partei an erster Stelle mit deren Haltung zum Wolf.
Klar fokusiert: Mario Borchert ist überzeugt, dass bereits zu viele Wölfe in Brandenburg leben. Fotos: Stefan Abtmeyer/dpa/Bernd Thissen
Klares Programm: Mario Borchert aus Damelack in Ostprignitz-Ruppinfordert die Jagd auf Wölfe. sdfsdf sdfsdf sdfsadf sadfasdf asdfsadf asdfsad sdfsadf asdfFoto: Stefan Abtmeyer
Kandidat in der Prignitz: Mario Borchert. Foto: Stefan Abtmeyer
Kein einsamer Wolf: In Brandenburg leben laut Schätzungen des Umweltministeriums derzeit rund 200 Tiere.Foto: dpa/Bernd Thissen
Mario Borchert setzt als unabhängiger Direktkandidat für den Bundestag auf ein spezielles Thema
Verweis auf Schweden und Lettland, wo Wölfe geschossen werden
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