47 Einsatzkräfte der Polizei haben am Mittwoch in einem Großeinsatz drei Drogenhändler gestellt. Wie Mario Heinemann vom Polizeipräsidium Brandenburg am Freitag mitteilte, waren sie gerade dabei, in einer Lagerhalle in Werder/ OT Plötzin einen Lkw zu entladen. Es wurden 320 Kilogramm Haschisch und etwa 100.000 Euro sichergestellt.
Dem Zugriff waren umfangreiche Ermittlungen vorausgegangen, die auf Erkenntnissen basieren, die in Zusammenhang mit Encrochat- Auswertungen stehen.

Pakete waren mit Panzertape umwickelt

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität Frankfurt (Oder) hatte die Ermittlungen geführt. Laut Mitteilung sicherten Polizeibeamte der Polizeidirektion West bis Eintreffen weiterer Einsatzkräfte zunächst die Situation vor Ort. So konnten in der Lagerhalle ein Kleintransporter und ein bereits entladener großer Karton mit zehn darin enthaltenen, aufwendig mit Panzertape umwickelte Pakete festgestellt werden. Die Pakete enthielten Haschisch, wie das Kriminaltechnische Institut des LKA Brandenburg nach Beprobung bestätigte.
Gegen die drei Tatverdächtigen wurden Haftbefehle erlassen. Ein 52 Jahre alter Deutscher und ein 37-jähriger polnischer Staatsangehöriger befinden sich in Justizvollzugsanstalten, so Mario Heinemann. Der Haftbefehl gegen einen 37-jährigen Deutschen sei gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden.

Organisierte Kriminalität nutzte den Kryptodienst Enchrochat

Seit 2020 beschäftigen sich Ermittler und Gerichte mit Straftaten, die aufgrund der Auswertung von Encrochat-Protokollen aufgedeckt wurden. Encrochat war ein in Europa ansässiger Dienstleistungsanbieter, der verschlüsselte Nachrichten und Endgeräte – sogenannte Krypto-Handys – anbot. Der Dienst wurde vor allem von der Organisierten Kriminalität genutzt. Als es französischen Ermittlungsbehörden gelang, in das Encrochat-Netzwerk einzudringen, flog das Verfahren auf. Zum Zeitpunkt seiner Schließung im Juni 2020 hatte der Dienst rund 60.000 Abonnenten

Auch Fratelli-Prozess basiert auf Enchrochat-Protokollen

Laut Polizei wurde beziehungsweise wird in Brandenburg bereits gegen 78 Tatverdächtige wegen Straftaten unter Nutzung des ehemaligen Kryptoanbieters Encrochat ermittelt. Bisher konnten 42 Haftbefehle durch die Brandenburger Polizei vollstreckt werden. In diesem Kontext liegen bereits Verurteilungen gegen 26 Angeklagte im Zusammenhang organisierter Rauschgiftkriminalität vor – darunter gegen den ehemaligen Betreiber des Restaurants Fratelli Rame H. in Frankfurt (Oder).
Die Angeklagten sind bislang durchweg zu Freiheitsstrafen von durchschnittlich über fünf Jahren verurteilt worden. Weitere Hauptverhandlungen vor Landgerichten im Land Brandenburg laufen derzeit bzw. stehen vor der Eröffnung.
Mehr zum Prozess um Drogenhandel in Frankfurt (Oder) rund um den Fratelli-Gastronomen finden Sie auf einer Themenseite.