Mitglieder von zwei Cottbuser Fangruppen haben aus Sicht von Fachleuten deutliche Bezüge ins rechtsextreme Milieu. Die Entwicklung bereitet nicht nur dem Verfassungsschutz "erhebliche Sorgen", auch Demokratie-Berater warnen vor einer Verflechtung zwischen Anhängern des Zweitligisten und bekennenden Neonazis. Dirk Wilking, Chef der mobilen Beratungsteams gegen Rechts, sieht daher die Vereinsführung in der Pflicht. "Dort muss gehandelt und sich dem Problem gestellt werden. Man darf es nicht zuschminken."
Ebenso kritisiert die Chefin der brandenburgischen Verfassungsschutzbehörde, Winfriede Schreiber, die Verantwortlichen. Diese hätten sich noch nicht durchringen können, deutlich gegen rechtsextreme Fans vorzugehen, beklagt sie. "Da spielen sicherlich Dinge wie Jahreskarten oder Sponsorengelder eine Rolle." Denn kein Verein möchte einen Imageschaden erleiden, was finanzielle Folgen hätte.
Wilking fordert, dass Energie Cottbus sein Hausrecht nutzen und somit rechtsextreme Anhänger ausschließen könne. "Aus dieser Verantwortung dürfen sich Fußball-Vereine nicht stehlen", betont er. Insgesamt wurde aus seiner Sicht im brandenburgischen Fußball jedoch viel gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus getan. Dies bestätigt Uwe Koch vom Landessportbund. Dennoch gebe es vor allem in unterklassigen Fußballclubs ein Problem mit gewaltbereiten Fans. Im Potsdamer Innenministerium schätzt man die Zahl rechtsextremer Hooligans auf rund 50 Personen. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) sieht die Landespolizei bei Einsätzen im Fußball längst am Limit. Die Gewalt in Stadien müsse von den Vereinen "endlich ernst genommen" werden, forderte er unlängst.
Die Vorwürfe weist der Lausitzer Zweitligist zurück. "Wir zeigen seit Jahren Flagge gegen Rassismus und Rechts", sagt Vereinssprecher Lars Töffling. Er verweist zudem auf ein Treffen mit Polizei und Verfassungsschutz. "Dort wurde uns attestiert, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Im Cottbuser Stadion selbst habe es seit Jahren kein rechtsextremes Vorkommnis gegeben, behauptet er. Das sieht der Verfassungsschutz anders. Im aktuellen Bericht heißt es, dass im Heimspiel gegen den FC Augsburg im Mai 2011 ein Zuschauer mehrmals den Hitlergruß zeigte.