Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hatte schon im Juli Maßnahmen angekündigt, um unter anderem in der öffentlichen Verwaltung den Strom- und Gasverbrauch um zehn Prozent zu senken. Nach den Regelungen des Bundes, die Berlin Ende September übernommen hat, soll es in dort in den Büros nicht wärmer als 19 Grad sein. Flure, Foyers und Treppenhäuser dürfen nicht mehr beheizt werden. Ganz so einfach ist es mit der Umsetzung nicht, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Berliner Bezirksämtern ergeben hat.
Tempelhof-Schöneberg hält sich an die Regeln: Für Büros in den Dienstgebäuden sind 19 Grad vorgesehen. Der Bezirk sei optimistisch, die vom Senat geforderten insgesamt zehn Prozent Energieeinsparung zu erreichen. Bisher werde die Temperaturabsenkung von den Mitarbeitern überwiegend akzeptiert. „Größere Proteste blieben bislang aus“, teilt das Bezirksamt mit. „Hinsichtlich des individuellen Temperaturempfindens setzt der Bezirk auf die Eigeninitiative der Beschäftigten, die sich durch angepasste Kleidung und wärmende Utensilien bisher zu helfen wussten.“
Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf orientiert sich ebenfalls an den Vorgaben zum Energiesparen. Die Anpassungen der Heizungsanlagen seien allerdings nicht problemlos kurzfristig umzusetzen. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe es mit Blick aufs Energiesparen mehr Eigeninitiative als Kritik gegeben. Das Bezirksamt hat außerdem Thermometer beschafft, die ausgegeben werden können, falls jemand die Temperatur überprüfen möchte. Wenn es tatsächlich zu kalt sei, werde gegengesteuert.
In Friedrichshain-Kreuzberg sind die Erfahrungen mit dem Absenken der Raumtemperatur nach Angaben des Bezirksamts vergleichsweise gut. Problematisch sei allerdings, dass bei einem generellen Absenken der Vorlauftemperatur - mit der das heiße Wasser den Heizkessel verlässt - keine Differenzierung an einem Standort möglich sei. So hingen Schulen und Sporthallen oft am selben Heizkreislauf. Kitas und Grundschulen sind von der Temperaturabsenkung ausgenommen.
Beschwerden über zu kalte Arbeitsräume gebe es kaum. „Die Akzeptanz ist gut“, heißt es vom Bezirksamt. „Bisher gibt es einige Rückmeldungen oder Hinweise von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder auch Fachämtern, die wir berücksichtigen können.“
Individuell könne es immer Möglichkeiten geben, die Situation zu verbessern. Lösungen könnten etwa ein Arbeitsplatzwechsel von der Nordseite eines Gebäudes zur Südseite sein, der Austausch von Fensterdichtungen - oder an besonders kalten Tagen eine flexible Nutzung des Homeoffice-Angebots.
Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf weist darauf hin, die Umsetzung der Regeln sei vor allem bei unter Denkmalschutz stehenden Dienstgebäuden, in denen nur begrenzte energetische Maßnahmen möglich seien, eine Herausforderung. Zehn Prozent Energieeinsparung hält das Bezirksamt aber für realistisch. „Im Idealfall sind auch höhere Einspareffekte möglich.“ Die Energiesparmaßnahmen seien eine Belastung für die Beschäftigten. „Dennoch besteht eine hohe Bereitschaft, mit Blick auf die gesellschaftliche Gesamtsituation einen Beitrag zu leisten.“
In Neukölln gab es einzelne Hinweise von Mitarbeitenden auf zu geringe Raumtemperaturen, die man sehr ernst genommen habe, teilt das Bezirksamt mit. Mithilfe sogenannter Datenlogger sollen die Temperaturen in den Räumen längerfristig erfasst und dokumentiert werden, auch um die Heizungsanlage zu optimieren. „Dennoch wird es aufgrund baulicher Gegebenheiten nicht möglich sein, im gesamten Gebäude einheitliche Temperaturen zu garantieren.“ Fälle, in denen Mitarbeiter frieren, müssten individuell entschieden werden. „Möglich wären in Einzelfällen beispielsweise auch die Nutzung anderer Büroarbeitsplätze oder das zeitweise Arbeiten im Homeoffice.“
Das Bezirksamt Reinickendorf hat darauf hingewiesen, dass sich in Berlins Nordwesten die Temperatur in den Diensträumen nur per Hand an den Raumthermostaten regulieren lasse. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bezirksamtes Reinickendorf sind darüber mit einer Tagesmeldung vor Beginn der Heizperiode informiert worden.“ Beschwerden von Mitarbeitern gebe es bisher nicht. „Die Akzeptanz der Maßnahmen ist derzeit sehr groß.“