"Technologisch ist die Anlage nicht anders aufgebaut als ein Handy-Akku, nur viel größer", erklärt René Just, Projektleiter bei der Energiequelle GmbH. Genauer gesagt: Im Dorf Feldheim bei Treuenbrietzen wird ab Mitte Juni eine 31 mal 17 Meter große Halle errichtet, nur für die Lithium-Ionen-Batterie und das notwendige Zubehör. Die Investitionskosten liegen bei 13 Millionen Euro, 40 Prozent davon sollen als Fördermittel von Land und EU fließen.
"Nach acht Monaten Bauzeit wird die Batterie an den hiesigen Windpark angeschlossen", erklärt René Just. Der Haken an der Sache: Die Speicherkapazität von zehn Megawatt ist zwar deutschlandweit einmalig, entspricht aber lediglich der Leistung von fünf Windrädern. Viel zu wenig, um mit dem gespeicherten Strom mehrere Tage Flaute zu überbrücken. "Die Preise für Batterien sinken zwar stark", betont Just. "Aber es wird sich wohl finanziell nie lohnen, Speicher mit noch viel mehr Kapazität zu bauen." Zum Vergleich: Pumpspeicherkraftwerke haben eine Kapazität von 1000 Megawatt und mehr.
Dennoch gelten die Batterien als Schlüssel auf dem Weg zur Energiewende. Das Land Brandenburg hat deshalb eine Speicherinitiative gestartet, in deren Rahmen innovative Projekte gefördert werden. Ziel der Vorhaben in Feldheim und anderswo ist es, mithilfe der Batterien kurzfristige Netzschwankungen auszugleichen. Soll heißen: Weht zu viel Wind, fließt Strom in den Speicher statt ins Netz, herrscht Flaute, gibt die Batterie Energie in das Netz.
Abgerechnet wird das über den sogenannten Primärregelleistungsmarkt, auf dem Netzbetreiber Stromkapazitäten ausschreiben, die schnell verfügbar sein müssen. Der Batteriespeicher kann im Sekundenbereich reagieren und so das Netz stabilisieren. "Unsere Batterie steht wie die Feuerwehr zum Einsatz bereit, wenn es Netzschwankungen gibt", verdeutlicht René Just. Allein das Vorhalten der Kapazität werde am Markt in der Woche mit 2300 bis 3000 Euro pro Megawatt vergütet.
Da für die Feldheimer Batterie allerdings wie beschrieben nicht garantiert werden kann, dass sie immer Strom aufnehmen oder abgeben kann, hat die Energiequelle GmbH einen Vertrag mit Vattenfall geschlossen. "Der Konzern sichert uns mit seiner Energie aus konventionellen Kraftwerken ab", sagt Just.
Für die Zeit eines Übergangsprozesses sei diese Kooperation sinnvoll, schätzt Energiequelle-Geschäftsführer Michael Raschemann ein. "Aber die Attraktivität der Braunkohle steigt damit nicht", stellt er klar. "Erneuerbare Energien werden bevorzugt in das Netz eingespeist. Das wird die Kohle nach und nach überflüssig machen."
Projektleiter René Just hat bereits klar vor Augen, wie der nächste Schritt aussehen muss, um in einigen Jahren die Leistungsschwankungen bei den Erneuerbaren Energien ohne den Rückgriff auf Braunkohle in den Griff zu bekommen. "In den meisten Regionen Deutschlands gilt: Entweder es scheint die Sonne oder es weht Wind", erklärt er. Deshalb gehe der Trend dorthin, durch eine Mischung von Solar- und Windkraftanlagen die Stromspeicher zu entlasten. Derzeit werde in Feldheim, bundesweit bekannt als energieautarkes Dorf, weil es hier eine Vor-Ort-Versorgung gibt, Strom fast nur aus Windkraft gewonnen.
Um die Speicher künftig auch bei Flaute auffüllen zu können, seien also Solaranlagen notwendig. "Man muss sich genau anschauen, wie die richtige Mischung aus Solar- und Windkraft aussehen könnte", formuliert Just als Aufgabe für die Zukunft. Geschäftsführer Raschemann erhofft sich für den gesamten Ansatz mehr Unterstützung von der Bundesregierung: "Bislang vermisse ich im Erneuerbare-Energien-Gesetz Anreize für die Entwicklung noch besserer Stromspeicher." (Mit Adleraugen)