Rund 600 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet waren am Sonnabend nach Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) angereist. Doch schon nach knapp zwei Kilometern beendeten sie ihren Umzug von sich aus. Auch eine vorbereitete Ausweichroute wurde von den Organisatoren verworfen, nachdem sich der Gruppe Gegendemonstranten in Form von Sitzblockaden in den Weg gestellt hatten.
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Die Polizei zählte insgesamt rund 1400 Menschen, die gegen den Aufmarsch auf die Straße gingen. Martin Osinski vom Aktionsbündnis "Neuruppin bleibt bunt" sprach von 2000 Protestlern. Obwohl die Polizei kurzzeitig Schlagstöcke, Reizgas und einen Wasserwerfer einsetzen musste, wurden die Proteste nicht von Gewalt überschattet. Allerdings nahm die Polizei 30 Personen des linken Spektrums zeitweise in Gewahrsam, zwölf erhielten Platzverweise. Drei müssen mit Anzeigen wegen Widerstands oder Körperverletzung rechnen. Ein Teilnehmer der rechten Demo wurde wegen Tragens einer verbotenen tätowierten Siegerrune angezeigt.
"Wir sind rundum zufrieden mit dem Verlauf", sagte Veranstalter Osinski in seinem Fazit. "Wir haben unsere Ziele weitestgehend erreicht." Es sei gelungen, vielfältig, kreativ und vor allem weitgehend gewaltfrei gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten in der gesamten Innenstadt zu demonstrieren.
Zahlreiche Politiker unterstützten die Proteste. "Ich finde es grandios", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete für die Region, Dagmar Ziegler, auf der Bühne des friedlichen Festes "Schöner leben ohne Nazis" auf dem Schulplatz. "Es ist ein enormer Aufwand betrieben worden für ein tolles Programm. Wir bestimmen das Leben in der Stadt." Landesjustizminister Helmuth Markov (Linke) fand auch lobende Worte für die Polizei: "Es ist richtig, dass Sorge getragen wird, dass beide Lager nicht aufeinandertreffen. "Ich finde es wunderbar, dass in Neuruppin Toleranz und Vielfalt demonstriert werden."
Die Polizei sprach am Sonnabend zwar von einer aufgeheizten Stimmung im rechten wie im linken Lager. Die Einsatzleitung konnte gewalttätige Übergriffe der Gruppen aufeinander aber verhindern. 1500 Beamte waren im Einsatz. Dabei bekamen die Brandenburger Polizisten unter anderem aus Niedersachsen und Hamburg Verstärkung.
An der Puschkinstraße wurde eine Polizei-Absperrung von Linken durchbrochen. Angaben über verletzte Beamte gab es am Wochenende nicht. Um 11.45 Uhr nahm die Bundespolizei 15 Vermummte des linken Spektrums fest, die die Bahnstrecke des Prignitz-Express zwischen Velten und Neuruppin besetzt hatten. Der Zug war rechtzeitig vor der Gruppe zum Stehen gekommen.
Für die Polizei habe "neben der grundsätzlichen Aufgabe der Gewährleistung der Versammlungsfreiheit die Verhinderung gewalttätiger Auseinandersetzungen" im Vordergrund gestanden, sagte Polizeisprecher Rudi Sonntag.
Die Gegenveranstaltungen in Neuruppin, darunter das große Fest auf dem Schulplatz, wurde ausschließlich von Sponsoren der privaten Wirtschaft sowie einer Stiftung finanziert.
Breiter Protest: Zahlreiche Gegendemonstranten gingen überwiegend friedlich gegen den Aufzug der Neonazis auf die Straße. Mehr Fotos unter: www.moz.de Foto: MOZ/Dietmar Stehr
Hunderte Menschen demonstrieren gegen Neonazi-Aufmarsch in Neuruppin