"Ich bin fassungslos!", erklärt Landeskonservator Thomas Drachenberg, als er die Fotos von der gepflasterten Deutschlandfahne sieht. "Die jetzt ausgeführte Neupflasterung des Weges vom Denkmal zum Wendeplatz am Gräberfeld mit neuem Plattenmaterial widerspricht völlig der genehmigten Instandsetzung, die mit vorhandenem Material zu erfolgen hatte."
Er verweist dabei auf die Stellungnahme des Landesamtes zur beantragten Sanierung. Tatsächlich wird darin ausdrücklich betont, dass alle Reparaturen mit dem vorhandenen Material, also mit den alten Betonplatten zu erfolgen hätten. "Denkmalfachliches Ziel war die Reparatur des Bestandes. Die aus unserer Sicht abwegige Idee, den Nebenweg mit neuen Gehwegplatten zu versehen, die eine Deutschlandfahne nachbilden, ist völlig unverständlich und muss dringend korrigiert werden", erklärt Drachenberg.
Die Anlage gehört dem Landkreis Märkisch-Oderland. Der will die Außenanlage noch in diesem Jahr für rund 1,6 Millionen erneuern lassen. Neben der Regenentwässerung soll auch die Pflasterung saniert werden. Umso wichtiger ist die Klärung der "Plattenfarbe".
Landrat Gernot Schmidt (SPD) informiert, dass der Weg, der jetzt für so große Aufregung sorgt, ursprünglich einmal so ausgesehen habe. Die alten Pflastersteine waren in den 45 Jahren seit der Herrichtung so verschlissen, dass sie nicht wiederverwendet werden konnten. "Sie waren ursprünglich aber nicht grau, wie der Landeskonservator meint, sondern hatten genau diese Farbgebung, in der jetzt die neuen Platten erstrahlen", sagte Schmidt.
Das sei festgestellt worden, als der Bad Freienwalder Fachbetrieb, der die Arbeit ausgeführt hat, die alten Platten umdrehte. Auf der unteren Seite seien sie eben noch schwarz-rot-gold. Wie im Übrigen auch die Platten rings um den Denkmalhügel. Die wurden farblich allerdings in bunt gewürfeltem Schachbrettmuster angeordnet. "Wir haben genau die Anforderung des Landesamtes erfüllt. Nur hat sich dort die Einstellung dazu wohl geändert", vermutet der Landrat.
Er geht davon aus, dass die Gestalter der Anlage 1972 das Symbol der "Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft" im Sinn hatten, das ursprünglich die deutsche Fahne ohne DDR-Emblem und die Sowjetflagge, vereint mit einem blauen Band, zeigte. Der zusätzliche graue Pflasterstreifen war lediglich notwendig, um Kranzträgern den sicheren Zuweg zu ermöglichen. "Es ist natürlich erstaunlich, dass die Farben unserer Fahne heute für Unmut sorgen. Aber hier wird wie gefordert ein geschützter Zustand so wiederhergestellt, wie er zu DDR-Zeiten angelegt worden ist", versichert der Landrat. Foto-Belege für seine Vermutung haben sich noch nicht gefunden.
Heute gibt es ein Treffen von Vertretern des Landkreises und des Landesamtes für Denkmalpflege, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ein Rückbau der Deutschlandfahne ist wahrscheinlich. Zudem ist eine Entscheidung dazu notwendig, wie mit den anderen Platten in dem Areal umgegangen werden soll.