Die heute in Fürstenwalde (Oder-Spree) lebende Frau war im Alter von 16 Jahren für sechs Monate in dem sogenannten Durchgangsheim in Bad Freienwalde eingesperrt. In dem ehemaligen preußischen Gefängnis wurden bis 1987 Kinder und Jugendliche unter menschenunwürdigen Bedingungen zum Teil in Einzelzellen festgehalten. Gewalt und Demütigungen waren nach Berichten der Insassen an der Tagesordnung. Norda Krauel wurde eingesperrt, weil sie in den Augen der DDR-Behörden eine "Herumtreiberin" war. Weil ihre Mutter "nicht linientreu" war, wurde ihr eine Berufsausbildung verwehrt.
Das Landgericht Frankfurt (Oder) lehnte 2011 ihren Rehabilitationsantrag ab. Das OLG wies Krauels Beschwerde zurück. Vor zwei Jahren bekam sie vor dem Bundesverfassungsgericht recht. Es verwies das Verfahren zurück nach Brandenburg, verbunden mit Kritik an der hiesigen Justiz. Diese habe die entsprechenden Mühen gescheut, den Fall aufzuklären und stattdessen allein nach DDR-Aktenlage geurteilt. Dies komme einer Fortschreibung des SED-Unrechts gleich und sei eines Rechtsstaats unwürdig, so die Karlsruher Richter.
Wie erst jetzt bekannt wurde, hat das OLG Norda Krauel nun im November 2016 rehabilitiert. Dies jedoch allein aus formalen Gründen, was sowohl die Antragstellerin wie auch den Verein "DDR-Kindergefängnis Bad Freienwalde" verärgert. Sie hat demnach allein deshalb Anspruch auf Opferrente, weil das DDR-Jugendamt ihre Mutter nicht über den Aufenthaltsort der Tochter informiert hatte. Zur Situation in dem Heim äußert sich das OLG nicht. "Es ist schlimm, dass das aktuelle Urteil mit keinem Wort die unmenschlichen Haftbedingungen in den DDR-Heimen und Jugendwerkhöfen thematisiert. Für mich ist das keine Rehabilitation", sagt Norda Krauel.