Über Nacht waren Mitte der 90er- Jahre Truppenübungsplätze, Kasernen, Radarstationen und Flugplätze verwaist, als der Fall der Mauer, die Wiedervereinigung Deutschlands den Abzug der ehemaligen Westgruppe der sowjetischen Truppen aus Brandenburg ausgelöst hatte. Die Liegenschaften waren oft in einem erbärmlichen Zustand. Schlimmer noch: Sie waren verseucht durch Altlasten wie Munition oder Kerosin in Boden und Grundwasser.
Allein zwischen September 2009 und Ende Mai diesen Jahres hat die Brandenburgische Bodengesellschaft (BBG) im Auftrag des Landes auf früheren Liegenschaften der sowjetischen Streitkräfte 22 000 Kilogramm Lösemittel sowie knapp 17 000 Liter Kerosin aus Grundwasser und Boden entfernt. In Neuruppin und Oranienburg sind nach Aussagen des Wirtschaftsministeriums fast 19 000 Tonnen Boden saniert worden. Der Großteil der Ex-Militärflächen werde heute zivil genutzt- "Wo früher Panzer rollten, Manöver stattfanden oder sich Bunker befanden, gibt es heute munitionsberäumte Wander- und Radwege, Anlagen, die grünen Strom erzeugen oder schöne Naturlandschaften, die allen Brandenburginnen und Brandenburgern offen stehen", sagt Finanzminister Christian Görke (Linke) am Mittwoch zum Auftakt des mittlerweile 17. Konversionssommers in Jüterbog. Auf den einstigen Militärflächen finden sich heute Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien, Technologie-, Gründer- und Behördenzentren sowie Hochschulen, Wohnungen und zivile Heilstätten wieder. Nach Angaben von Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski hat die BBG seit 1994 1300 Kaufverträge abgeschlossen, in denen Investitionen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro vereinbart wurden. Zuvor mussten aber Millionensummen in die Umwandlung militärischer in zivile Flächen investiert werden, die neben dem Land die EU, der Bund und die Kommunen beisteuerten. "Bedrohungen der Umwelt als Folge militärischer Hinterlassenschaften wurden beseitigt, viel wurde bei der Sanierung von Boden und Grundwasser sowie beim Abriss maroder Militärbauten erreicht", bilanziert Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke).
An den verbleibenden 10 000 Hektar aber hat das Land mächtig zu knabbern. Sie gelten wegen ihrer hohen Belastung an Explosionsstoffen und Munition als problematisch - darunter der frühere, erst 2012 in Landesbesitz übernommene Flugplatz Sperenberg und der Ex-Schießplatz Kummersdorf-Gut. Außer Konkurrenz läuft die Kyritz-Ruppiner Heide - sie gehört dem Bund. Die Umwandlung des 14 000 Hektar großen Bombodroms, so Christoffers, müsse gemeinsam mit lokalen Interessenvertretern gestaltet werden - und dauere noch Jahrzehnte.
Dabei sind die militärischen Hinterlassenschaften aus Sicht des Kampfmittelbeseitigungsdienstes nur die Spitze des Eisbergs. Explosionsgefahr droht in Brandenburg auf fast 600 000 Hektar - nur die wenigsten Flächen wurden einst militärisch genutzt. Allein im Kreis Märkisch-Oderland gelten 119 000 Hektar als verdächtig.