Nach rassistischen Beleidigungen gegen Schülerinnen und Schüler aus Berlin während eines Ausflugs in Südbrandenburg ermittelt der Staatsschutz wegen Volksverhetzung und Bedrohung. Von 28 Personen seien die Identitäten festgestellt worden, sagte eine Polizeisprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Ob es sich bei allen um Tatverdächtige handele, sei noch unklar.
Schülerinnen und Schüler einer Berliner Schulklasse sollen in einem Ferienlager im südbrandenburgischen Heidesee in der Nacht zum Sonntag (7. Mai 2023) rassistisch beleidigt und bedroht worden sein. Der Staatsschutz, der für politisch motivierte Straftaten zuständig ist, ermittelt, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Süd sagte.
Gäste, die laut Polizei aus der Region kamen, feierten in dem Ferienlager am Frauensee einen Geburtstag. Aus dieser Gruppe heraus sei die Schulklasse „fremdenfeindlich“ beschimpft und bedroht worden, sagte die Polizeisprecherin. Einige der Betroffenen seien erkennbar muslimischen Glaubens und hätten Kopftücher getragen. Eine körperliche Auseinandersetzung konnte die Polizei nach eigenen Angaben verhindern.

Lehrer informiert Eltern

Ein Lehrer habe nach der Auseinandersetzung in der Anlage im Kreis Dahme-Spreewald die Eltern der Schüler informiert. Die Klasse sei noch in der Nacht nach Berlin zurückgefahren. Die Polizei habe die Abreise begleitet, sagte der Sprecher.
Einem Bericht der „B.Z.“ zufolge schilderte ein Berliner Vater, dass Eltern ihre Kinder gegen 3 Uhr aus der Unterkunft abholen mussten. „Viele Kinder stehen unter Schock. Sie kannten diese Ausländerfeindlichkeit aus Berlin nicht. Es wird jetzt überlegt, die Matheprüfung am Mittwoch zu verschieben“, sagte der Vater demnach. Die Schüler hätten sich eigentlich in Brandenburg auf die Prüfung vorbereiten wollen, schreibt die „B.Z.“.
Die Einrichtung zeigte sich bestürzt über den Vorfall. „Wir verurteilen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf das Schärfste“, erklärte die Geschäftsführerin der Ferienanlage in Heidesee (Dahme-Spreewald), Nora Runneck, am Montag. Die Geschäftsführerin der Ferienanlage sagte, mit der betroffenen Schule sei man in Kontakt. Man bedauere sehr, dass die Schüler die Ferienanlage unter diesen Umständen verlassen hätten.
Nach Bekanntwerden des Vorfalls hatten einige Eltern noch in der Nacht ihre Kinder aus Heidesee abgeholt. Mitarbeiter der Einrichtung brachten die anderen Schüler und Lehrkräfte am Sonntagmorgen zum Bahnhof nach Königs Wusterhausen, so die Geschäftsführerin. Der Bucherin der Geburstagsfeier wurde Hausverbot erteilt.
Einsatzkräfte der Polizei befragten in der Nacht Zeugen. Angaben zu den Verdächtigen konnte der Sprecher nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht machen. Wie das Geschehen abgelaufen sei, müssten die Ermittlungen zeigen.
Der Bürgermeister von Heidesee hat die rassistischen Beleidigungen gegen Berliner Schülerinnen und Schüler in seiner Gemeinde verurteilt. „Wir als Gemeinde distanzieren uns von jedem fremdenfeindlichen Verhalten“, erklärte Björn Langner (parteilos) am Montag einer Mitteilung zufolge. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass rassistische und diskriminierende Verhaltensweisen keinen Platz in unserer Gemeinde haben und dass jeder, unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe, willkommen ist“, so der Kommunalpolitiker.