Sachsens Landesforstpräsident Utz Hempfling hat am Freitag, 1. Juli, die Brandflächen im Naturschutzgebiet Gohrischheide und Elbniederterrasse Zeithain besucht, nachdem das Brandgeschehen sich weitgehend beruhigt hat. Seit Ende der vergangenen Woche haben dort Flammen auf rund 500 Hektar den größten Waldbrand in Sachsen seit 30 Jahren hinterlassen. Auf brandenburgischer Seite kommen nach Angaben der dortigen Einsatzstelle etwa weitere 400 Hektar dazu.
Am Freitagmorgen hatte die Staatsanwaltschaft Dresden erklärt, dass es mehrere Hinweise auf Brandstiftung gebe. Der Schaden belaufe sich auf 13,5 Millionen Euro.
Aufgrund der bislang nur geringen Regenmengen in der Region, so ist es einer Pressemitteilung des Staatsbetriebes Sachsenforst zu entnehmen, gehe aber weiterhin Gefahr von Flammenbildung und Glutnestern aus, die rund um die Uhr bewacht werden müssten.

Dresden/Zeithain/Mühlberg

Einsatz gepanzerter Unterstützung in Gohrischheide

Die Löscharbeiten gestalteten sich auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz, insbesondere durch die fast flächige Munitionsbelastung, als besonders schwierig. Die Schutzgebietswacht von Sachsenforst habe mit ihrer Ortskenntnis die Einsatzkräfte auf den wenigen sicheren, von Munition beräumten Wegen lenken können.
Waldbrand in der Gohrischheide an der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen. Hier unweit von Altenau bei Mühlberg im Landkreis Elbe-Elster.
Waldbrand in der Gohrischheide an der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen. Hier unweit von Altenau bei Mühlberg im Landkreis Elbe-Elster.
© Foto: Frank Claus
Zur Unterstützung der Löscharbeiten habe Sachsenforst darüber hinaus kurzfristig einen gepanzerten Spezialschlepper aus Nordrhein-Westfalen organisiert, der auch am Freitag noch im Einsatz ist. Die Maschine könne auch munitionsbelastete Flächen befahren und sei durch einen aufgesetzten Wassertank eine wertvolle Unterstützung, um Brand- und Glutnester zu löschen.

Wertvolle Lebensräume verschwinden und entstehen neu

Wie groß ist der Schaden im Naturschutzgebiet? Der Pressemitteilung zufolge umfasse das Gebiet zahlreiche seltene, empfindliche und wertvolle Lebensräume trocken-warmer Sandböden. „Der entstandene Schaden kann in einem Naturschutzgebiet viel schwerer bewertet werden, als in einem bewirtschafteten Wald“, sagte Hempfling. Die Brandflächen konzentrieren sich vorwiegend auf eine Sonderschutzzone, in welcher natürliche Prozesse vollkommen ungestört ablaufen sollen.
„In diesem Gebiet wird die natürliche Entwicklung von Lebensräumen geschützt“, so Hempfling weiter. „Ein Waldbrand kann hier als Teil der natürlichen Dynamik aufgefasst werden.“ Auf den verbrannten Böden können, so wird ausgeführt, neue Pionierpflanzen- und Tiergesellschaften entstehen, die hier geschützt werden sollen, weil sie selten und wertvoll sind. „Die wichtigste Aufgabe der Brandbekämpfung war es daher, ein Übergreifen auf andere Landschaftsteile und vornehmlich Ortschaften zu verhindern“, betonte Hempfling.

Bad Liebenwerda/Mühlberg

Einen noch größeren Waldbrand gab es zuletzt ziemlich genau vor 30 Jahren im Mai 1992 bei Weißwasser im Landkreis Görlitz. Damals standen rund 1.000 Hektar Wald auf sächsischer Seite in Flammen.