In der Uckermark regt sich Protest gegen die mangelnde Präsenz der Polizei. Angesichts zahlreicher Diebstähle von Maschinen und Lkw haben Dutzende Unternehmer am Mittwoch eine Petition an den Landtag übergeben. Darin fordern sie eine bessere Ausstattung der Polizei.
Seit Abschaffung der Grenzkontrollen nach Polen hat die Zahl der Diebstähle aus Firmen drastisch zugenommen. Fahrzeuge, schwere Technik, Kraftstoff und Spezialwerkzeug verschwinden fast jede Nacht aus Firmen der Region. Kleinere Betriebe fühlen sich am Rande des Ruins.
111076
"Wir können nicht mehr ruhig schlafen", sagt Michael Branding von der Landtechnikfirma BLT Kerkow. Weder Alarmanlagen noch GPS-Sender helfen gegen das immer dreistere Vorgehen der Diebe. Die Täter schlagen sogar am helllichten Tage zu. Besonders betroffen sind Baubetriebe, Agrarunternehmen und Autohäuser.
"Wir haben es hier mit mafia-ähnlichen Strukturen zu tun", sagt Udo Schellner, Besitzer eines Holzfällerbetriebes. Gestohlen wird offenbar auf Bestellung. Die Täter ließen nur bestimmte Wagen und Werkzeuge mitgehen. In mindestens einem Fall habe die Polizei trotz einer Alarmierung nicht eingegriffen, so dass ein gestohlener Speziallaster mit Ladekran über eine Strecke von 40 Kilometern nach Polen gebracht werden konnte, berichtet Bauunternehmer Reiner Häusler.
"Wir fühlen uns von der Politik allein gelassen", erklärt Eberhard Ihlow, Eigentümer eines Recyclingbetriebes in Meyenburg. Deshalb haben jetzt 92 Firmen aus der Uckermark spontan eine Petition an den brandenburgischen Landtag unterschrieben. Darin fordern sie eine erhöhte Polizeipräsenz sowie bessere Ermittlungarbeit. Das Schreiben wurde gestern an den Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen und den Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann (beide CDU)übergeben. Der SPD-Unterbezirk Uckermark will einen Vor-Ort-Termin mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) vereinbaren.
Den Firmen ist den Angaben zufolge in den vergangenen drei Jahren durch Diebstahl ein Schaden von 2,2 Millionen Euro entstanden. Hinzu kommt der Mehraufwand, um die Technik aus Sicherheitsgründen allabendlich von den Feldern, von Baustellen oder aus dem Wald zu holen.
"Die Landesregierung tut einfach nichts", kritisiert Björn Lakenmacher, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. "Das Problem betrifft nicht nur die Uckermark, sondern den gesamten Grenzraum." Er fordert ein deutsch-polnisches Abkommen zur Kriminalitätsbekämpfung.