Der Hauptstadtflughafen BER kann das Ziel schwarzer Zahlen Mitte der 20er Jahre laut Betreibern nur mit Hilfe weiterer öffentlicher Finanzhilfen erreichen. Eine Teilentschuldung sei dafür ein wesentliches Instrument, sagte Finanzchefin Aletta von Massenbach der „Berliner Morgenpost“ (Freitag). „Das würde uns über die Jahre deutliche Zins- und Tilgungslasten ersparen.“
Derzeit habe das Unternehmen mehr als 4,5 Milliarden Euro Schulden, sagte sie. „Davon kommen mehr als vier Milliarden aus der Zeit vor Corona, von dem zu langen und zu teuren Bau des BER.“ Mit der Aussicht auf deutlich weniger Passagiere als erwartet sei klar, dass die Schulden das Unternehmen überfordern.
Nach von Massenbachs Angaben muss die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) jährlich etwa 180 Millionen Euro für Zins und Tilgung ausgeben. Das entspreche in etwa dem Umsatz des Jahres 2020. Die Passagierzahl war wegen der Coronakrise auf unter ein Drittel des Vorjahresniveaus gesunken.

Enorme Verluste pro Tag

Jeden Tag fehle eine Million Euro an Einnahmen, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Er ließ offen, wieviel Geld sich das Unternehmen von seinen Eigentümern wünscht, den Ländern Berlin und Brandenburg und dem Bund. In den vergangenen Tagen war in Medien unter Berufung auf Aufsichtsratsunterlagen von mehr als 3,5 Milliarden Euro an Bürgschaften und Eigenkapitalzuführungen die Rede.
„Wir müssen diese Zahlen erst im Aufsichtsrat erläutern“, sagte Lütke Daldrup. „Aber wir reden nicht über eine Teilentschuldung in der Größenordnung von 3,5 Milliarden Euro, sondern über deutlich weniger.“ Das Kontrollgremium tagt Mitte März wieder.
Die geplante Bundeshilfe für Flughäfen in der Corona-Krise ändert an der schwierigen Lage nicht allzu viel. Lütke Daldrup rechnet mit gut 140 Millionen Euro. „Das Problem unseres sehr hohen Schuldenstandes aus der Bauphase des BER kann nicht durch Corona-Hilfen des Bundes gelöst werden“, sagte Lütke Daldrup.
Ein Teilverkauf des Flughafens ist nach seinen Worten nicht geplant. „Wir sind uns mit den Eigentümern einig, dass der Weg der Unterstützung durch die Gesellschafter der richtige ist und alle anderen Varianten wie zum Beispiel eine Teil-Privatisierung zurzeit keinen Sinn machen.“