„Ich liebe Immobilien“, sagt Marian Ziburske. Aber nicht nur. Der 30-jährige Sohn eines Verlagsmanagers liebt auch britische Autos wie Jaguar, schnelle Pferde, die er auf der Galopprennbahn Hoppegarten in die Spur schickt, und die Mailänder Oper. Für all das hat der gebürtige Düsseldorfer scheinbar ein glückliches Händchen. Nahezu unauffällig hat sich seine Westminster-Gruppe auf dem ostdeutschen Immobilienmarkt etabliert.
Ende des Jahres gelang Ziburske der bislang größte Deal: Nach der Insolvenz eines holländischen Fonds waren plötzlich knapp 2400 Wohnungen in Halle, Leipzig, Weißenfels sowie im Berliner Umland auf dem Markt. Die Westminster GmbH schlug zu – für 40 Millionen Euro. Die Summe für die sanierten Plattenbauten hat Ziburske aus Eigenkapital und einem mit 3,8 Prozent verzinsten Kredit aufgebracht. „Gutachter der Landesbank haben inzwischen den doppelten Wert taxiert“, freut sich Unternehmer über sein bislang größtes Geschäft.
Auch in Frankfurt (Oder), Strausberg, Bernau und Fürstenwalde hat sich die Westminster GmbH aus Forst eingenistet. „Ich kaufe keine Standorte, sondern gute Investments“, sagt Ziburske. In Strausberg erwarb er aus einem kleinen Fonds ein 1996 für zehn Millionen Euro neu errichtetes Wohn- und Geschäftshaus am Eingang zur Fußgängerzone für 1,4 Millionen. Inzwischen, sagt der Geschäftsmann, ist das Haus zu einem Ärztezentrum ausgebaut worden und der Leerstand auf unter 20 Prozent gesunken.
Dass Ziburske vermeintlich abgeschriebenen Objekten wieder Leben einhauchen kann, hat sich in der Branche herum gesprochen. Bei den Banken ist das Forster Unternehmen gelistet, wenn es darum geht, bei Zahlungsschwierigkeiten der alten Eigentümer neue für Immobilien zu finden. 300 bis 400 Objekte würden ihm monatlich angeboten, sagt Ziburske, nur die wenigsten interessieren ihn wirklich. „Wir kaufen nur Wohnungen in den neuen Bundesländern“, nennt der 30-Jährige eins der Kriterien.
Die Immobilientochter der überwiegend im Beratungsgeschäft tätigen Westminster Vermögensverwaltung wurde erst 2008 in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) gegründet. In der Wahl des Firmennamens spiegelt sich nicht nur die Liebe zu englischem Stil und Adel, sondern auch der Anspruch im Immobiliengeschäft wider: Der Herzog von Westminster ist der reichste Immobilien-Engländer. „Ich war selbst überrascht, dass der Name Westminster nicht geschützt war“, wundert sich Ziburske.
Das junge Unternehmen wächst rasant. Schon mit 1000 Wohnungen hatte sich die Bilanzsumme 2009 verzehnfacht. Im vergangenen Jahr kletterte die Zahl auf nochmals 100 Millionen Euro und 8400 Wohnungen – etwa die Hälfte steht in Brandenburg. Sein erstes Haus mit acht Wohnungen hat der Geschäftsmann übrigens 2001 in Forst gekauft. 50 Mitarbeiter hat Ziburske inzwischen eingestellt, darunter nicht nur einen eigenen Pressesprecher, sondern auch Personal, das sich um die Vermietung und den Hausmeisterservice kümmert.
Der Name Westminster ist im Land Brandenburg aber nicht nur mit Immobilien, sondern auch mit Pferden verbunden. Das beste Pferd im Westminster-Stall in Hoppegarten heißt Leyland und ist eins von 15. Die Kosten pro Exemplar belaufen sich zwischen 3000 und 70 000 Euro. Hinzu kommen zehn Mutterstuten, die in diesen Tagen in England und Deutschland abfohlen.
Mit Gründung der Tochterfirma Westminster Racehorse machte Ziburske einen weiteren Traum wahr und schuf nach eigenen Angaben den größten ostdeutschen Rennstall. Alljährlich am 3. Oktober lobt das Unternehmen zum Tag der deutschen Einheit den mit 50 000 Euro dotierten Westminster-Preis aus und sorgt auf der Rennbahn für den Saisonhöhepunkt – sogar der weltgrößte Rennpferdebesitzer und Dubai-Herrscher Scheich Mohammed ließ 2010 eines seiner rund 500 Pferde mit dem Airbus nach Berlin einfliegen.