In Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt hat das Kunstarchiv Fotografien, Malereien, Kupferstiche und Titelseiten von Zeitschriften für das Foyer des Landtages zusammengestellt. Darauf zu sehen ist eines der wichtigsten Bildthemen im sogenannten Realsozialismus: der Arbeiter und die Arbeiterin. Denn auch den DDR-Frauen sollte mit den stilisierten Technischen Zeichnerinnen, Krankenschwestern und Werkerinnen die Arbeit als Lebensmittelpunkt vermittelt werden. "Per Verfassung war die Frau gleichgestellt, denn sie wurden als Arbeitskraft benötigt", erläutert Sabrina Kotzian.
Im anschließenden Podiumsgespräch sind die Verlusterfahrungen der Ostfrauen nach der Wiedervereinigung eines der bestimmenden Themen. Moderatorin Florentine Nadolni, Leiterin des Beeskower Kunstarchivs, bringt die Journalisten Valerie Schönian und Markus Decker mit Anja-Christin Faber von der Stiftung "Hilfe für Familien in Not" dazu ins Gespräch. Sie tragen zusammen, in welch schwieriger Lage sich vor allem die Ostfrauen nach der Wende befanden. Ein Großteil litt unter Arbeitslosigkeit durch den breiten Stellenabbau. Berufe wurden aberkannt, Dorfgemeinschaften zerfielen und die herangewachsenen Kinder zogen in die Ferne, erzählt Anja-Christin Faber.

Die Krise währte nicht lange

Doch währte die Krise nicht lange: "Sie waren erst arbeitslos und haben sich dann die gesellschaftliche Teilhabe zurück erkämpft", befindet Markus Decker, Co-Autor des Buches "Ostfrauen verändern die Republik". Er entdeckte die Ostfrau als "soziales Phänomen" bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2017, als viele Spitzenkandidaturen von ostdeutschen Frauen gestellt wurden, darunter Angela Merkel, Katrin Göring-Eckhardt und Sahra Wagenknecht. Laut Decker sei die Gewohnheit, zu arbeiten, der Schlüssel gewesen, mit dem sich die Frauen neue Bereiche wie die Politik eroberten.
Valerie Schönian, deren neues Buch "Ostbewusstsein" kommende Woche erscheint, ist 1990 in Sachsen-Anhalt geboren. Sie erzählt, dass sie erst spät erkannte, ostdeutsch geprägt zu sein. Es war die Begegnung mit Gleichaltrigen aus dem Westen während ihrer Studienzeit in Berlin und München, die sie erkennen ließ, dass "der Osten als Sozialisationsraum nach dem Zusammenbruch der DDR nicht aufgehört hat, zu existieren." So war die Selbstverständlichkeit, dass Vollzeitjob und Kindererziehung sich nicht ausschließen, ihrer westdeutschen Mitbewohnerin beispielsweise nicht mitgegeben. Schönian erachtet dies heute als Vorteil für sich. Jedoch sind sich die Diskutierenden einig, die Situation der Frau in der DDR nicht zu verklären. "Die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt galt nicht zwingend für zu Hause", erläutert Decker. Laut einer Studie hätten Ostmänner im Durchschnitt 40 Stunden mehr Freizeit pro Woche genossen, als es Frauen konnten, die mit Kindererziehung und Haushalt doppelt belastet waren. Nichtsdestotrotz resümiert das Podium, dass es als Frau ein Vorteil sein kann, aus dem Osten zu stammen. Gerade als Nachwendekind mit der berufstätigen Mutter als Vorbild. Trotzdem lautet die Bilanz: Ob ost- oder westdeutsch, Geschlechtergerechtigkeit sei noch lange nicht erreicht.