Konkret beziehen sich die Freien Wähler auf eine Expertise des schwedischen Verkehrsministeriums, die in den vergangenen Tagen bereits vielerorts für Diskussionen gesorgt habe. Untersucht wurde demnach, welche CO2-Emissionen bei der Produktion der benötigten Lithium-Ionen-Batterien zu erwarten sind. Das Ergebnis war ernüchternd. Unter schwedischen Verhältnissen rechne sich ein Fahrzeugtyp mit hoher Batteriekapazität erst nach acht Jahren.
Gestützt auf die Daten der schwedischen Studie stellte sich die Landtagsgruppe nun die Frage, ab welcher Fahrtleistung sich in Brandenburg eine Reduktion der unerwünschten Emissionen einstellen würde - falls überhaupt. Demnach sei bei den weltweit verbreitetsten Zellen chinesischer Produktion mit einer Emission von 159 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde zu rechnen. Somit würden sich für ein Auto mit einer hohen Akku-Kapazität von 85 Kilowattstunden - wie etwa beim Tesla S - bei der Herstellung der Batterien Emissionen in Höhe von mehr als 13 Tonnen Kohlendioxid ergeben. Bei einer kleinen Batterie wären sie auf Kosten der Reichweite deutlich geringer.
Zu berücksichtigen für die Öko-Bilanz eines Elektroautos sei zudem die Art der Energieproduktion in Brandenburg. Es werde dabei nämlich vergleichsweise viel CO2 freigesetzt. Insgesamt habe der Energiemix Brandenburgs einen durchschnittlichen Ausstoß von rund 800 Gramm Kohlendioxid je Kilowattstunde. Bei einem Elektroenergieverbrauch eines E-Autos von 18,3 Kilowattstunden pro 100 Kilometer ergebe dies etwa 14 Kilogramm CO2 pro 100 Kilometer. Im Vergleich dazu produziere ein Mittelklassewagen mit Benzinmotor etwa 34 Kilogramm des unerwünschten Klimagases.
Die Freien Wähler plädieren, daraus "ideologiefreie Schlussfolgerungen" zu ziehen. "Mit dem Brandenburger Energiemix zu fahren, reduziert per Saldo den CO2-Ausstoß um rund 20 Kilogramm pro 100 Kilometer", heißt es. Damit werde der hohe CO2-Ausstoß für die energieintensive Produktion der Batterien erst nach 67 000 Kilometern kompensiert.
Der einzige und zugleich fragwürdige Vorteil sei bis dahin, dass die Abgasemissionen "vom nahen eigenen Auspuff in die Kraftwerke der Lausitz und die fernen chinesischen Fabriken und Kraftwerke ausgelagert werden". Ob das die hohen Anschaffungskosten und die geringe Reichweite von E-Autos rechtfertige, sei zweifelhaft. Die Abgeordneten plädieren für weitere Forschungen und ein Miteinander von Umwelt und Wirtschaft.