Die Übergabe des Rechnungshofberichtes an die Landtagspräsidentin wird voraussichtlich erst im Herbst erfolgen, so ein Sprecher der Prüfbehörde.
Die Prüfung der 2017 aufgelösten Landtagsgruppe BVB/Freie Wähler für die Haushaltsjahre 2015/16 hatte bereits für Aufsehen gesorgt. Die Prüfer des Rechnungshofes kamen im April 2019 in ihrem Bericht zu dem vorläufigen Ergebnis, dass ein Bürgerbrief der Landtagsgruppe mit einer Auflage von 560 000 Exemplaren Gruppen- und Parteizwecke vermenge. Mit dieser Aussage revidierte der Hof den bis dahin bestehenden Vorwurf, dass der Bürgerbrief als unzulässige Parteienwerbung einzuordnen sei, der noch in einer ersten, inzwischen überarbeiteten Fassung des Berichts erhoben worden war. Auch das ehemalige Mitglied der Gruppe BVB/Freie Wähler, Péter Vida, weist gegenüber der MOZ darauf hin, dass der Rechnungshof seine ursprüngliche Einordnung des Bürgerbriefs als "unzulässige Parteienwerbung" in seinen aktuellsten Prüfungsergebnissen nicht aufrechterhält.
Die Fraktionen und die ehemalige dreiköpfige Gruppe BVB/Freie Wähler haben zurzeit die Gelegenheit, zum Rechnungshofbericht Stellung zu nehmen. Anschließend wird der Hof einen zusammenfassenden Bericht schreiben und der Landtagspräsidentin übergeben. Diese wird ihn prüfen und bei unsachgemäßer Verwendung der Fraktionsgelder Rückforderungen veranlassen. Außerdem kann die Bundestagsverwaltung unterrichtet werden, die Verstöße gegen die Regeln der Parteienfinanzierung prüft und ahndet. Die Bundestagsverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass sie bereits über den Bürgerbrief der Landtagsgruppe BVB/Freie Wähler informiert wurde. Man werde erst die vorgelagerten Prüfungen des Rechnungshofes und der Landtages Brandenburg abwarten und danach die parteienrechtliche Prüfung vornehmen.