Corona hat die Regionalliga Nordost Schachmatt gesetzt. Während im Westen und Südwesten weitergespielt wird, drehen die Fußballer hierzulande Däumchen und schauen traurig gen Westen. Arlind Shoshi (23), Mittelstürmer beim FSV Union Fürstenwalde, ist einer von ihnen. Gerade schien sich seine Karriere in Fürstenwalde nach oben zu entwickeln, dann kam Covid-19. Shoshi erzählt über Corona, den Traum vom Fußball und die Hoffnung, endlich wieder spielen zu dürfen.

Was denken Sie, wenn Sie die Spiele der deutschen Profiligen im Fernsehen betrachten?

Es ist spannend und schön anzusehen, aber ich vermisse die Atmosphäre im vollen Stadion, dann sind die Spiele zehnmal besser für einen Fußballer, weil jeder durch die Fans einfach richtig gepusht wird. Selbst nur auf dem Sofa sitzen, wenn die Profis kicken, tut mir unheimlich weh.

Lebt Ihr Traum vom Fußball noch?

Natürlich lebt mein Traum! Das wird bestimmt jedem Fußballer so gehen der halbwegs höherklassig gespielt hat. Ich habe zu viel in meinen Sport investiert, um zu sagen, das war es jetzt.

Profis dürfen ihrem Beruf nachgehen, Sie nicht. Was macht das mit Ihnen?

So wie die „richtigen“ Profis dürfen wir derzeit nicht ran, in der Regionalliga stockt der Spielbetrieb. Seit dem 10. Februar. können wir wieder trainieren. Es ist aber nicht dasselbe, wie vor unseren Zuschauern ins Stadion einzulaufen, doch wir haben das Gefühl es geht weiter.

Wie halten Sie sich fit?

In der Corona-bedingten Pause habe ich mich speziell mit Lauf- und Krafteinheiten fit gehalten. Ansonsten mehr für meine Interessen und Leidenschaften neben dem Fußball getan. Im hoffentlich bald wiederbeginnenden Spielbetrieb fokussiere ich mich die Woche über zu Hundert Prozent auf den nächsten Einsatz und nutze die Zeit zwischen Training und Spiel zur aktiven Regeneration.

Wie sieht Ihr Trainingsplan derzeit aus?

Wir trainieren Montag und Freitag einmal, Dienstag bis Donnerstag zweimal täglich, es ist sehr intensiv, macht allen unheimlich Spaß, weil jeder aus der Zwangspause rauswollte. Auf dem Platz zu stehen und unserer Leidenschaft nachzugehen, hat allen Mannschaftskollegen dramatisch gefehlt, es war wie ein Loch im Tag. Man merkt nun in der Kabine das die Stimmung in der Mannschaft gut ist, jeder wartet auf den Tag X, um sofort alles zu geben.

Wovon lebt ein Viertliga-Fußballer derzeit? Was gibt es für staatliche Unterstützung?

Wir bekommen Kurzarbeitergeld. Ich denke, so ergeht es jedem Fußballer in der Regionalliga Nordost. Jeder würde am liebsten auf sein normales Gehalt zurückgreifen, aber in der schwierigen Phase muss ich zurückstecken und den Verein bestmöglich unterstützen.

Hat der DFB seinen Unterbau im Amateurbereich im Stich gelassen?

So würde ich das nicht bezeichnen. Ich denke, der DFB versucht alles, damit es bald wieder so werden kann, wie es mal war. Natürlich ist es für uns blöd, wenn die Regionalliga West und die Regionalliga Südwest spielen darf und die Regionalliga Nordost nicht.

Wie kümmert sich der NOFV um die Spieler und Mannschaften in seinem Einflussbereich?

Ich denke, beim NOFV versucht man alles, um eine gute Lösung für das Problem zu finden, aber das ist nicht leicht. Ich möchte nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken. Die Vereine müssen alle an einem Strang ziehen und das akzeptieren, was der NOFV beschließt, etwas Anderes bleibt uns nicht übrig.

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Woltersdorf

Wollen Sie manchmal den Beruf Fußballspieler hinschmeißen?

Einfach aufgeben? Ich bin noch lange nicht soweit! Ich glaube, jeder Fußballer hat in seiner Karriere eine schwere Phase erlebt, wo er sich gedacht hat - jetzt ist Schluss, aus, einfach die Schuhe an den Nagel hängen. Da muss jeder Sportler durch. Es kommt nur darauf an, wie man mit diesem Zustand umgeht und ob man trotzdem weiter alles versuchen möchte, um den Traum vom Fußball am Leben zu halten.

Was können Sie hoffnungsvollen achtzehnjährigen Jungkickern mitgeben, die gegenwärtig nicht Fußballspielen dürfen?

Es ist für jeden Sportler schwer in der Zeit, vor allem für die Jugend. Wenn man gerade am Beginn seiner Karriere steht, ist es wichtig, klar im Kopf zu bleiben. Und zu wissen was man möchte.  Haltet euch fit, irgendwann beginnt auch für euch wieder das Mannschaftstraining, irgendwann wird es wieder normal laufen, auch wenn es noch dauern dürfte.

Sie sind im besten Fußballalter, was erwarten Sie von ihrer Zukunft?

Ich gehe nicht unbedingt mit zu vielen Erwartungen ran. Natürlich hab ich Träume, die ich gern zur Wirklichkeit machen möchte. Einer meiner Träume lautet: so hochklassig zu spielen, wie es geht. Ich versuche mich nicht unter Druck zu setzen, ich gebe mein Bestes und gucke, wo mein Weg mich hinführen wird.