"Aus der Hoffnung wird langsam Gewissheit", sagt Wieland Eschenburg, Sprecher der Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Zwar sei die Finanzierungslücke für den geplanten Wiederaufbau der Kirche noch nicht geschlossen. Aber der fehlende Betrag belaufe sich inzwischen nur noch auf gut eine Million Euro. Nachdem die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz im Frühjahr beschlossen hatte, das Projekt mit einem zinslosen Kredit in Höhe von 3,25 Millionen Euro zu unterstützen, seien noch einmal zahlreiche Spenden eingegangen, berichtet Eschenburg. Man gehe davon aus, dass man bis zum Herbst 2017 mit der Baustelleneinrichtung beginnen könne.
Tatsächlich drängt die Zeit. Denn die Baugenehmigung stammt aus dem Jahr 2013. In Brandenburg sind solche Genehmigungen sechs Jahre lang gültig. Die Stiftung als Bauherr muss ein Jahr vor Auslaufen angefangen haben und ein Jahr nach Auslaufen fertig sein.
Vorerst sollen nur der knapp 90 Meter hohe Turm und die Seitenflügel nach historischem Vorbild gebaut werden - und zwar zunächst in etwas abgespeckter Form ohne Turmhaube samt Glockenspiel und Fassadenschmuck. Diese "Grundvariante", wie Eschenburg sie nennt, werde bereits alle vorgesehenen Nutzungen des Turms als "Ort der Friedens- und Versöhnungsarbeit" beinhalten und rund 26 Millionen Euro kosten. Um den Turmbau zu komplettieren, wären noch einmal rund zehn Millionen Euro zusätzlich nötig.
Der Wiederaufbau des Kirchenschiffs ist schon aus Kostengründen bis auf Weiteres nicht in Sicht. Ohnehin hatte die evangelische Landeskirche den Verzicht auf den originalgetreuen Aufbau des Schiffs zur Bedingung für ihr millionenschweres Darlehen gemacht. Sollte das Schiff eines Tages tatsächlich errichtet werden, dann in moderner Architektur, um den Bruch mit der Tradition zu verdeutlichen, wie Landesbischof Markus Dröge fordert.
Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam hat inzwischen in einem Spendenkatalog alle Bauteile für den Turm aufgelistet, für die sie Geldgeber sucht. Die Bandbreite reicht bis zu richtig teuren Objekten wie etwa der Kapelle -"das schlagende Herz des Turmbauprojektes". In diesem Fall beläuft sich der Spendenwunsch der Stiftung auf satte zwei Millionen Euro. Erst im Sommer durfte sie sich über eine Einzelspende in Höhe von 1,5 Millionen Euro freuen. Wer der großzügige Spender ist, ist bisher nicht bekannt. Klar ist nur, dass mit dem Geld die Aussichtsplattform im Turm finanziert werden soll.
Überraschend groß sei auch das Interesse vieler Kleinspender an den Treppenstufen des Kirchturms, berichtet Eschenburg weiter. Die Stiftung sucht für alle 365 Stufen, die bis zur Turmspitze führen, Sponsoren. 2500 Euro kostet eine Stufe aus den beiden unteren Treppenhäusern, 5000 Euro werden für eine Stufe der oberen Treppe fällig. Im Gegenzug wird der Name des Spenders für jedermann sichtbar in seine Stufe eingraviert. Von bislang rund 45 Paten seien bereits mehr als 152 000 Euro zusammengekommen, rechnet der Stiftungssprecher vor. Weitaus günstiger ist übrigens die Namenspatenschaft für einen Ziegel, der im Turmaufgang vermauert wird. Eine solche Wunschsignatur ist ab 100 Euro zu haben.
Man sei zuversichtlich, das man die letzte fehlende Million schon bald zusammenbekommt, sagt Eschenburg. Ist das Ziel erreicht, müssen die Unterlagen dem Bund vorgelegt werden. Der hat zwölf Millionen Euro für den Turmaufbau in Aussicht gestellt. Voraussetzung ist jedoch eine gesicherte Gesamtfinanzierung.
Die Garnisonkirche, die als Hauptwerk des preußischen Barock gilt, war zu DDR-Zeiten gesprengt worden, obwohl sie nicht einsturzgefährdet war. Die Wiederaufbaupläne sind in Potsdam umstritten. Befürworter schmerzt die bisherige Lücke im Stadtbild, Gegner sehen in dem Bau ein Symbol des Militärstaats Preußen. Am "Tag von Potsdam", am 21. März 1933, nutzten die Nazis die Kirche als Schauplatz, um den Schulterschluss zwischen Preußen und dem Nationalsozialismus zu demonstrieren: Anlässlich der Eröffnung des neu gewählten Reichstages reichten sich Reichspräsident Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler in der Kirche die Hand.