Die fragwürdige Insolvenz der Luckenwalder Firma Hesco war ein zäher Fall für die Justiz, der zwei Jahre dauerte.
Es waren keine guten Zeiten damals, als die New Economy wie eine Blase platzte – auch für Brandenburger Firmen. Das Familienunternehmen Hesco aus Luckenwalde (Teltow-Fläming), das Kunststoffteile für IT-Firmen herstellte, verbuchte im neuen Jahrtausend weniger Aufträge, die Lohnkosten drückten. Gegen einen Stellenabbau stemmte sich der Betriebsrat. Also wählte man einen anderen Weg. So umriss gestern Richterin Ulrike Phieler-Morbach im Potsdamer Landgericht die Ausgangslage eines „Schachzugs“, wie sie den Fall in ihrem Urteil nennt. Die Unternehmer Birgitt und Klaus Reiche wollten die eigene Firma beerdigen, um sie Monate später an gleicher Stelle wiederauferstehen zu lassen. Eingefädelt vom Anwalt Jörg-Klaus B., dem Rechtsberater der Firma. „Handstreichartig“ hätten sich die Angeklagten Reiche im Mai 2003 der eigenen Firma entledigt, um eine neue mit reduzierter Belegschaft zu gründen, betont die Richterin. Zuerst wird der Betrieb umfirmiert, dann ein „Strohmann“ als Geschäftsführer eingesetzt, der sofort sämtliche Mitarbeiter entlässt. Schließlich wechselt der Firmensitz in ein kleines Dorf in Sachsen-Anhalt, in dem ein Komplize die Geschäftspost annimmt. Ein Insolvenzverfahren wurde dann zu spät eröffnet, Geschäftsunterlagen verschwanden, die Forderungen der Gläubiger wurden auf dubiose Weise zurückgekauft – der Fall enthielt viele Winkelzüge. Der Insolvenzverwalter biss sich die Zähne aus: Er telefonierte den Unternehmern vergeblich hinterher. Kurze Zeit später wurde an gleicher Stelle in Luckenwalde mit nahezu identischem Firmennamen und mit einem Teil der Belegschaft die Produktion wieder aufgenommen. Hesco war wiedergeboren, während dessen von der alten, verschuldeten Firma nur noch eine Hülle übrig blieb. Die Gläubiger blieben auf Forderungen sitzen. „Eine planmäßige Firmenbestattung“, sagt die Richterin. Wegen Insolvenzverschleppung und Untreue wird das Ehepaar Reiche zu insgesamt 61 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Potsdamer Advokat B., der die Masche auch in anderen Fällen anwendete, muss wegen Beihilfe für diese Straftaten zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Der zeitweilige Geschäftsführer wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Klaus und Birgitt Reiche beteuerten immer wieder ihre Unschuld. Man habe das Unternehmen retten wollen, sagten sie. Wie Anwalt B. plädierten sie auf Freispruch. Doch die Vorgehensweise war laut Kammer kriminell. „Eine Firma wurde gezielt ausgehöhlt“, sagt Richterin Phieler-Morbach. Dabei hätten die Firmenchefs eine „Treuepflicht“. Die Angeklagten wollen prüfen, ob sie in Revision gehen. Eine Fortsetzung des Falls gibt es außerdem auf zivilrechtlicher Ebene. Der Insolvenzverwalter hat die Gesellschafter der Firma Hesco verklagt, es geht um drei Millionen Euro, heißt es.