Ausgangspunkt der Ermittlungen war der Vorwurf, rund 50 Millionen Euro unterschlagen zu haben - 192 000 Handys, die in Frankfurt lagerten, aber einer anderen Firma gehörten, soll Getgoods auf eigene Rechnung verkauft haben. Deshalb hatte es im November 2013 eine Razzia an den beiden Frankfurter Firmenstandorten von Getgoods sowie im Privathaus des Unternehmenschefs gegeben, wobei diverse Unterlagen und Dateien beschlagnahmt worden waren.
Das zunächst von der Frankfurter Staatsanwaltschaft bearbeitete Verfahren war an die Potsdamer Kollegen abgegeben worden, da diese als Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität fungieren und damit landesweit "für Wirtschaftsstraftaten von besonders herausgehobener Bedeutung" zuständig sind. Die Länge der Ermittlungen hält Staatsanwalt Christoph Lange angesichts der Komplexität der Materie und der Menge der auszuwertenden Daten für normal. Das habe nichts mit den gerade bekannt gewordenen Klagen von Staatsanwaltschaften wegen überlasteter Mitarbeiter und der Verdopplung der auszuwertenden Computerdaten innerhalb von fünf Jahren zu tun. Die Verfahrenslänge im Fall Getgoods sei akzeptabel, meint Lange.
Der 2007 gegründete Onlinehändler Getgoods mit zuletzt 200 Mitarbeitern war das einzige börsennotierte Unternehmen in Frankfurt (Oder) und lange durch hohes Wachstum, Zukäufe von Firmen und Sponsorenverträge - ob für Boxkämpfe an der Oder, als Trikotsponsor von Arminia Bielefeld oder Hauptsponsor der Handball-Nationalmannschaft - aufgefallen. Noch im Oktober 2013 wurde Geld bei Investoren per Anleihe eingesammelt - Laufzeit bis Oktober 2017. Kurz danach wurden aber Finanzprobleme bekannt. Es folgten der Absturz der Aktie, der Insolvenzantrag und die Razzia, die mit drei Dutzend Beamten des Landeskriminalamtes sowie fünf Staatsanwälten für Brandenburger Verhältnisse gewaltig ausfiel.
Das insolvente Unternehmen war schließlich im Dezember 2013 von Conrad Electronic gekauft worden. Conrad wickelte die beiden Standorte in Frankfurt im Frühjahr vergangenen Jahres ab, es blieb - unter anderem Namen - lediglich eine kleine Stelle, die etwa Rücksendungen an den noch immer existierenden Getgoods-Onlineshop bearbeitet.
Längst verschwunden: Die ehemalige Firmenzentrale des Onlinehändlers in Frankfurt (Oder).Foto: Michael Benk
Die Staatsanwaltschaft hat die Vorwurfspalette gegen Getgoods aufgrund neuer Anzeigen erweitert.