Die neuen Baupläne für die Teslafabrik bei Grünheide (Oder-Spree) stehen online. Es sind mehrere tausend Seiten – ein Kurzbericht und ausführliche Unterlagen zur Anlage der Fabrik, den Emissionen sowie Gutachten, die Interessierte einen Monat lang einsehen und downloaden können. Das ist auch in Gemeindeämtern und Behörden möglich.
Die Unterlagen für die Fabrik mussten erneut veröffentlicht werden, weil Tesla seine Pläne für die Gigafactory verändert hat. Das Design des Tesla-Werkes ist anders, einige vorgesehene Fertigungen sind nicht mehr enthalten. Die Fabrik bekommt eine Werkfeuerwehr. Tesla holzt fast 30 Prozent mehr Wald ab. Und Teile der Fabrik sollen auf mehreren tausend Pfählen gegründet werden. Das war in der Öffentlichkeit zuletzt ein besonders umstrittener Fakt.
Tesla geht nach wie vor von einer maximalen Leistung der Fabrik von 500.000 Fahrzeugen im Jahr aus, so steht es in den Unterlagen. Zahlen von 100.000 zum Start, die in Medienberichten genannt wurden, kommentierte das Unternehmen nicht. Der Bau der Gigafactory soll über eine Milliarde Euro kosten. Allein der Rohbau wird mit 654 Millionen Euro veranschlagt.

Was ist neu?

Anders ist das Design der Anlage. Die Batteriefertigung und Kunststofffertigung entfallen. Das Werk bekommt eine Umspannstation und eine Feuerwehr. Zwei Werkgebäude sollen auf Pfählen gegründet werden.
Das Design des Fabrik-Komplexes unterscheidet sich im Vergleich zu den Planungen von Januar: Das Fabrikgebäude ist niedriger geworden: Von zwei Stockwerken ist es weitgehend auf eines reduziert. Nur zwei Gebäudeteile ragen heraus. Die Fertigung des Antriebsstranges ist in ein separates Gebäude verlagert worden. Die Batteriefertigung und die Kunststofffertigung – im ersten Antrag noch enthalten - entfallen jetzt. Allerdings ist mit der Batteriefertigung nicht die Fertigung von Zellen gemeint. Die war in Grünheide nie geplant. Hier sollten lediglich die Zellen zu Packs montiert und dafür Gehäuse gefertigt werden.

Pfähle

Neu ist auch, dass zwei Teile der Fabrik – die Gießerei und das Presswerk – auf Pfählen gegründet werden sollen. Dafür gab es bereits Testrammungen von Pfählen. 20 wurden angezeigt. Auf weiter 109 Tests hat Tesla verzichtet – eine erforderliche Genehmigung bei der zuständigen Wasserbehörde wurde nicht beantragt. Eingesetzt werden sollen Pfähle aus einem Spezialbeton, der für Wasserschutzgebiete geeignet ist. So sollen keine schädlichen Einträge von Abrieb ins Wasser gelangen.
Im Umweltausschuss des Landes hatte es geheißen, dass die Pfähle maximal den ersten Grundwasserleiter durchdringen, aber nicht die Deckschicht zum zweiten Grundwasserleiter durchstoßen dürften. Für den Einsatz der Pfähle ist ein hydrogeologisches Gutachten erarbeitet worden. Das ist im Netz auch einsehbar.
Von 10.000 bis 15.000 Pfählen im Südwesten der Anlage ist dort die Rede. Der Gutachter sieht kein Konfliktpotential für das Einzugsgebiet des Wasserwerkes Erkner. Das Gelände der Fabrik liegt in einem Trinkwasserschutzgebiet. Er empfiehlt aber ein Monitoring des Wassers. Ein Konzept für das Grundwassermonitoring gemeinsam mit dem Wasserverband WSE und der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis Oder-Spree soll erstellt werden.
Weil Tesla zwei der Testrammungen für die Pfahlgründungen begonnen hatte, bevor die Erlaubnis vorlag, wurde ein Bußgeldverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. 

Wasser

Ein Hauptkonfliktpunkt in der Öffentlichkeit ist der Verbrauch von Wasser. Den will Tesla jetzt in Spitzenzeiten um ein Drittel senken - von rund 370 Kubikmeter in der Stunde auf 230 Kubikmeter – unter anderem durch ein erhöhtes Wasserrecycling und andere Kühlsysteme. Auch der Abwasseranfall ist reduziert. In den neu ausgelegten Unterlagen ist von 151 Kubikmetern Abwasseranfall in der Stunde die Rede.
Ein Becken von 500 Kubikmeter Fassungsvermögen soll im Notfall Wasser zurückhalten können. Der Wasserverband Strausberg-Erkner hatte erklärt, das Wasser für die erste Ausbaustufe der Fabrik liefern zu können. Das Land Brandenburg hatte die Fördermengen für den Verband erhöht. Das Abwasser soll über ein Klärwerk der Berliner Wasserbetriebe in Münchehofe entsorgt werden. Dafür muss voraussichtlich eine zehn Kilometer lange Leitung gebaut werdne.

Wald und Naturschutz

Rund 92 Hektar Kiefernforst hat Tesla für den Baustart bisher gerodet. Von insgesamt 143 Hektar Rodung war im ersten Antrag für den Bau im Januar die Rede. Jetzt will Tesla knapp 30 Prozent mehr Forst roden – was sich aus dem veränderten Design der Fabrik und der Anlage von Wasserrückhaltebecken ergibt. Die komplette Fläche muss wieder aufgeforstet werden, so steht es in der Umweltverträglichkeitsprüfung. Dafür stellt die Flächenagentur Brandenburg Land zur Verfügung, heißt es in den Unterlagen. Zusätzlich muss Tesla auf 150 Hektar Waldumbau betreiben – also Laubgehölze in bestehende Kiefernforste pflanzen.
Von den 92 Hektar Mischwald, die als Ersatz für die schon erfolgten Rodungen wieder aufgeforstet werden, sind rund 40 Prozent neue Bäume bereits gepflanzt. Die übrigen sollen im Herbst und Winter folgen. Ziel ist, mindestens die Hälfte Laubbäume aufzuforsten. Tesla will über den geforderten 1:1-Ersatz für den Wald hinausgehen und das Dreifache des Vorgeschriebenen im Naturschutz leisten. In Abstimmung mit den Naturschutzverbänden soll ein Konzept erstellt werden. Der Ersatz soll nicht unbedingt Wald sein, auch andere ökologisch sinnvolle Maßnahmen werden in Betracht gezogen.
Als Ausgleich für die zerstörten Lebensräume auf dem Gelände hat Tesla 150 Vogel- und Fledermauskästen in Waldgebieten in der Nähe angebracht. Sechs Ameisennester wurden umgesiedelt. Für die Eidechsen gibt es ein neun Hektar großes Kompensationsgebiet. Allerdings wurde bis Ende Mai auf dem Bauplatz nur eine Eidechse entdeckt und vier Fledermäuse. Tesla will überdies über den Sommer hinweg das Vorkommen von Arten auf dem insgesamt 300 Hektar großen Areal kartieren. Aufgrund des Zeitdruckes bei der Planung hatte eine Kartierung im vergangenen Jahr nicht stattgefunden. Die Vorkommen konnten nur geschätzt werden. Das war ein Kritikpunkt von Naturschützern.

Energie

Die Fabrik soll weitgehend mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Geplant sind große Solarflächen auf den Dächern. Gebaut werden soll mit CO2-armem Beton. Für die Wärmeerzeugung setzt Tesla aber auch Gas ein - vor allem für die Alugießerei und für Lackierarbeiten. Allerdings soll der Gasverbrauch im Vergleich zur Ursprungsplanung reduziert sein. Für die Heizung der Räume will das Unternehmen auf Wärmepumpen zurückgreifen. Insgesamt wird der Strombedarf mit 72 MW elektrischer Energie angegeben. Hinzu kommt Erdgas für die Produktion. Der Verbrauch ist mit 9250 Normkubikmeter in der Stunde beziffert.

Verkehr

Die bis zu 12.000 Beschäftigten der Fabrik sollen vor allem mit dem Öffentlichen Nahverkehr zur Gigafactory kommen. Dafür plant Tesla einen eigenen Personenbahnhof im Süden des Geländes zu bauen und eine vorhandene Schienenanbindung zu ertüchtigen. Ein sogenanntes Tesla-Shuttle soll die Mitarbeiter vom Bahnhof Erkner zur Fabrik bringen. Perspektivisch ist dann geplant, den Bahnhof Fangschleuse - etwa ein Kilometer vom Werk entfernt - in die Nähe der Fabrik zu verlegen. Dort wird allerdings von längeren Planungszeiträumen ausgegangen.
Auch den Güterverkehr will Tesla künftig über die Schiene abwickeln. Dazu müssen existierende Gleise ausgebaut werden. Zum Produktionsstart im kommenden Jahr 2021 wird der Güterbahnhof noch nicht fertig sein. Den Materialtransport will Tesla zunächst per Lkw abwickeln. In den Unterlagen ist von bis zu 1257 Lkw am Tag die Rede bei einer Maximalauslastung von 500.000 Autos im Jahr. Diese Lkw-Anzahl sei aber das worst-case-Szenario, schreibt Tesla. Geplant ist dafür der Bau einer weiteren Autobahnauffahrt im Norden des Geländes, deren Bau komplett von Tesla finanziert wird. Baustart soll im September sein. Viel Potenzial sieht Tesla auch in der Anbindung der Fabrik über Radwege.
Die Unterlagen für die Änderungen der geplanten Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin sind öffentlich im Internet auf dem Portal für Umweltverträglichkeitsprüfungen der Länder einsehbar.