Bis zu 24 Meter hohe Pfeiler für die Rohbauten ragen aus dem sandigen Boden, Wände und Dachkonstruktionen werden errichtet. Dabei legen die etwas über 100 Bauarbeiter ein Tempo vor, das das ihrer Kollegen der Gigafactory in Shanghai übertrifft. Die Werkhalle, in der in Grünheide die Motoren und Antriebssegmente gefertigt werden, soll bereits Ende August im Rohbau stehen – nach nur 19 Tagen Bauzeit. Die Chinesen brauchten für ein vergleichbares Gebäude etwa drei Mal so viel Zeit.
Möglich wird dieses enorme Tempo durch vorgefertigte Bauelemente – Pfeiler etwa oder Wandsegmente. Der Fabrikkomplex wird gebaut wie ein Fertigteilhaus. Zwei Drittel der Gebäude werden aus diesen Elementen gefertigt. Das ist nach Angaben von Brancheninsidern deutlich mehr als bei den Werken in Shanghai oder in den USA, die nur zur 40 beziehungsweise 10 Prozent mit vorgefertigten Teilen errichtet wurden. Für die Gigafactory in Grünheide werden Konstruktionselemente aus deutscher und europäischer Produktion verwendet. Sie werden unter anderem im brandenburgischen Linthe hergestellt und hauptsächlich per Zug auf die Baustelle transportiert.

Effiziente Bauweise in Grünheide

Tesla hat für seine Gigafactory in Grünheide die Bauweise verbessert und effizienter gestaltet. Möglichst einfach, funktional und nachhaltig soll der Gebäudekomplex sein, heißt es. So haben die Sockel der Betonpfeiler eine veränderte Form – das spart Material. Auch der Produktionsprozess ist im Vergleich zu den Vorgängerfabriken optimiert – alles spielt sich im Wesentlichen auf einer Ebene ab, so vermeidet man umständliche Transporte mit Aufzügen.
Auch die Herstellung des Tesla Model Y in Grünheide hat der US-Autobauer verbesssert. Große Teile der vorderen Karosserie sollen in Grünheide in einem Stück gegossen werden, bei anderen Modellen wird dieser Part aus mehreren einzelnen Teilen zusammengesetzt. Tesla will beim Modell Y Gewicht sparen. Die neue Lackiererei in Grünheide soll überdies eine Farbqualität erreichen, wie sie heute nur Luxuslimousinen vorweisen.

Auch der Rohbau der Lackiererei entsteht schon. Das Gros der Gebäude wird auf flachen Fundamenten gegründet. Entgegen ursprünglichen Plänen soll auch auf einen Großteil der umstrittenen Pfahlgründungen verzichtet werden, wie jetzt bekannt wurde. Tesla hatte geplant, die Fundamente von Gießerei und Presswerk mit bis zu 15 000 Pfählen im Untergrund zu verankern. Gegen diese Pfahlgründungen protestieren die Bürgerinitiative gegen die Gigafactory aus Grünheide und Naturschützer. Sie befürchten, dass der Grundwasserfluss durch die Pfähle verändert wird und Salzwasser aus tieferen Schichten ins Grundwasser vordringen könnte.

500 Pfähle aus Spezialbeton

Nun soll aber nur noch das Presswerk auf Pfählen gegründet werden – die Anzahl ist auf rund 500 Pfähle aus Spezialbeton reduziert. Sie reichen bis zu zwölf Meter tief und sollen die für das Trinkwasser entscheidenden Grundwasserschichten nicht erreichen. Angeblich soll die verringerte Zahl von Pfählen das Grundwasser nur geringfügig beeinflussen. Alles Niederschlagswasser muss außerdem auf dem Gelände der Fabrik gesammelt und anschließend im Untergrund versickert werden. So soll gewährleistet werden, dass trotz der Versiegelung der Flächen die Niederschläge dem Grundwasser zugeführt werden.
Tesla hatte vor einigen Wochen beim Landesamt für Umwelt einen Antrag auf einen vorzeitigen Baubeginn für Presswerk und Gießerei gestellt, über den aber noch nicht entschieden ist. Der gesamte Bau wird derzeit über Erlaubnisse für einen vorzeitigen Beginn vorangetrieben. Die endgültige Baugenehmigung steht noch aus. Bis zum 3. September können Bürger Einwendungen gegen den Bau der Fabrik vorbringen.
Sie sollen Mitte September in einer öffentlichen Veranstaltung erörtert werden. Erst danach kann über die endgültige Genehmigung für die Gigafactory entschieden werden. So lange baut das US-Unternehmen auf eigenes Risiko. Wenn das Tempo so beibehalten wird, könnte der Rohbau Ende des Jahres fertig sein. Im Juli 2021 sollen dann die ersten Autos produziert werden.