Eigentlich sollte Sternekoch Torsten Voigt am Herd stehen, doch „er ist verhindert“, sagt die gebürtige Beeskowerin. Seit einigen Wochen weiß sie, dass sie beim Großen Gourmet Preis mit den Besten der Besten Brandenburgs Kochkunst präsentieren wird. „Das Lampenfieber hält sich noch in Grenzen“, sagt sie unaufgeregt zwischen 220 Tellern, die angerichtet werden müssen.
Der Große Gourmet Preis wird zum vierten Mal vergeben. Ihn gibt es in dieser Form längst nicht überall. „In Sachsen-Anhalt etwa lässt sich die Kochkunst schlecht darstellen“, erklärt Andreas Dietz von der Agentur für Medienkommunikation „desas“. Kriterium dafür, wann es sich lohnt, einen Großen Gourmet Preis zu vergeben, sei das Ranking der jeweiligen Spitzenköche, das auf den sechs wichtigsten Restaurant- und Gastronomieführern beruht.
Oliver Heilmeyer vom Hotel „Zur Bleiche“ in Burg im Spreewald kann sich mit einem Michelin-Stern, 18 Punkten im „Gault Millau“ und dem Titel „Brandenburger Meisterkoch 2003“ schmücken. Er verteidigte am Freitag seinen Titel, denn schon 2009 war er der Preisträger des Großen Gourmetpreises in der Mark. In diesem Jahr verwöhnte er die Gaumen der 220 Gäste, denen das Gipfeltreffen der Spitzenköche jeweils 160 Euro wert war, mit Roastbeef vom Damhirschrücken mit Spreewälder Sauerbratensauce, Knusperbällchen von Rotkraut und Mais mit Steinpilz-Kartoffelroulade.
Seine Mitstreiter stehen Heilmeyer in nichts nach. Alexander Dressel vom Hotel „Bayrisches Haus“ in Potsdam findet sich im Gault Millau, im Varta-Führer im „Feinschmecker“ wieder und wurde vom Aral Schlemmer-Atlas und Bertelsmann mit Kochlöffeln und –mützen förmlich überschüttet. Steffen Specker vom Landhaus Specker in Potsdam sowie Frank Schreiber vom Hotel „Goldener Hahn“ in Finsterwalde komplettieren die Runde. „Wenn man die besten Köche eines Bundeslandes erleben will, müsste man sonst weit reisen. Wir haben sie alle zusammen gebracht“, macht Andreas Dietz Werbung in eigener Sache.
Da sechs Gänge und fünf Köche nicht aufgehen, hat Dietz mit Sternekoch Michael Kempf vom Berliner „Facil“ erstmals einen externen Kollegen mit in die Küche geladen. Kempf übernimmt auch gleich den ersten Gang, „Zampone“ vom Brandenburger Wollschwein mit Eigelb, Bockbier-Essig-Emulsion und Wiesenkerbel. Die Gäste im Saal können dank einer Liveschaltung per Leinwand immer mal wieder einen Blick in die Küche werfen und sich das Menü erklären lassen.
Sous-Chefin Melanie Baschin aus Storkow kann sich über den dritten Platz freuen, für den jedoch nicht der jeweilige Menü-Gang, sondern das Ranking in den Restaurantführern den Ausschlag gegeben hat. „Das war für sie eine sportliche Herausforderung. Immerhin ist Kochen noch eine Männerdomäne“, sagt Thomas Krause, Gastronomie-Direktor im Kongresshotel Potsdam. Sie selbst hat es genossen, mit den ganz Großen des Landes in der Küche zu stehen: „Sie waren alle sehr nett und hilfsbereit.“