Eigentlich sind sie EU-weit schon seit mehr als zwei Jahren verboten. Doch in Polens Geschäften kann man sie jetzt wieder kaufen: Glühbirnen zu 100, 75 und auch 60 Watt, die man hierzulande nur noch mit Mühe auftreiben kann.
"Wstrzasoodporna" oder auf gut Deutsch "Unempfindlich gegen Stoß und Vibrationen" - das ist so eine Art Zauberbegriff, mit dem im Nachbarland derzeit das EU-weite Verbot für die guten alten Glühbirnen ausgehebelt wird. Denn angeblich sind die Leuchtkörper, die man in Baumärkten und anderen Geschäften östlich der Oder erhält, "nur für den Spezialgebrauch" zu verwenden.
Doch nicht nur das Äußere der Birnen, sondern auch ihr Preis verraten, dass es sich um die guten alten Haushaltsbirnen handelt, die lediglich in einer Verpackung mit neuem Aufdruck daherkommen. Die 100-Watt-Variante gab es am Freitag in einem Slubicer Baumarkt für 3,59 oder 2,69 Zloty (umgerechnet 88 beziehungsweise 66 Cent), die 75-Watt-Lampen waren noch preiswerter.
"Die stehen schon eine ganze Zeit wieder in den Regalen", berichtet die Kassiererin freimütig und auch, dass ihr schon aufgefallen sei, dass gerade viele deutsche Kunden gern und reichhaltig zugreifen. Auf der Unterseite der Verpackung findet sich zumindest bei einer Sorte der Hinweis auf Polnisch, Deutsch und Englisch, "dass die Lampe zur Raumbeleuchtung im Haushalt nicht geeignet ist". Richtig müsste es wohl heißen, dass die EU-Kommission 2008 ein Herstellungs- und Vertriebsverbot für die Glühbirnen erlassen hat.
Hintergrund ist, dass Glühlampen den größten Teil der Energie nicht als Licht, sondern als Wärme abgeben. Seit September 2009 gibt es in Deutschland und in anderen Ländern keine 100-Watt-Glühlampen mehr. Ein Jahr später folgten die 75-Watt-Birnen und im vergangenen September die mit 60 Watt. Ab September dieses Jahres sollen auch alle weiteren Glühlampen aus dem Handel verschwinden und durch Energiesparlampen ersetzt werden.
Zurück zum Angebot im Slubicer Baumarkt: Bei einer anderen Packung fehlt der Hinweis auf Nichteignung im Haushalt, dafür erfährt man, dass sie "Made in PRC" ist, also in der Volksrepublik China hergestellt wurde. "Die Hersteller beziehungsweise Importeure verfügen über Zertifikate, dass es sich um Spezialerzeugnisse handelt", versichert eine Vertreterin der staatlichen polnischen Handels-Inspektion.
"Natürlich kann niemand den deutschen Verkäufern verbieten, die Glühbirnen mit über die Grenze zu bringen", sagt Energiereferentin Claudia Bruhn von der Verbraucherzentrale. Nur weiterverkaufen dürfe man die Birnen hier nicht.
Auch im Internet stößt man noch auf Offerten für die alten Lampen, die freilich teurer sind, als die polnischen Angebote. "Der Lagerverkauf ist in Deutschland noch gestattet, allerdings nur so lange, bis bestimmte Lager endgültig leer sind. Neu herstellen oder importieren darf man die Birnen nicht", erläutert Claudia Bruhn.
Versuche, die Glühlampen hierzulande dennoch als "Kunstwerke" oder "Heat balls", also Wärmeerzeuger, zu verkaufen, gab es auch schon, sie schlugen aber fehl. So untersagte das Verwaltungsgericht Aachen im Juli 2011 ausdrücklich den Versuch eines Unternehmens, die Glühbirnen als Wärmespender zu veräußern.