Angeführt wurde der Zug zum Bundeskanzleramt von Hunderten Bauern sowie 70 Traktoren. Unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" forderten die Teilnehmer unter anderem Maßnahmen gegen den Hunger in der Welt, gegen den Einsatz von Gentechnik in der Nahrungsmittelproduktion sowie eine artgerechte Tierhaltung. Anlass der Großdemonstration war die weltweit größte Ernährungsmesse, die Internationale Grüne Woche in Berlin.
Konkret kritisiert wurde unter anderem ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU. Befürchtet wird, dass damit die europaweit geltenden Mindeststandards für Nahrungsmittel aufgeweicht werden könnten. "Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Gentechnik auf dem Teller lehnen wir ab", erklärte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Nötig sei eine Landwirtschaft, in der bäuerliche Betriebe gefördert werden statt Massentierhaltung und Export.
Ein neues Denken in der Agrarpolitik forderte auch der Deutsche Tierschutzbund. Dessen Präsident, Thomas Schröder, erklärte: "Immer größere Bestände in immer intensiveren Haltungen mit immer mehr manipulierten Hochleistungstieren sind ein Irrweg."
"Die bäuerliche Landwirtschaft ist nicht modernitätsfern, arm oder unterentwickelt. Es ist ein nachhaltiges landwirtschaftliches Modell, das natürliche und menschliche Ressourcen respektvoll nutzt und so soziale und Ernährungssicherheit weltweit garantiert", betonte auch Carlo Petrini, Präsident von Slow Food International.
Unterdessen sprach sich Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) für eine engere Verzahnung von Agrar- und Ernährungspolitik aus. "Der Erhalt landwirtschaftlicher Vielfalt ist kein Luxus, sondern eine überlebenswichtige Notwendigkeit. Einmal verloren gegangene Pflanzensorten sind nicht wieder rückholbar. Deshalb müssen wir unsere genetischen Ressourcen weltweit dauerhaft erhalten und besser nutzbar machen", sagte Friedrich auf dem Agrarministergipfel.