"Mir fehlen die Worte. Mit einer solchen Anteilnahme und Unterstützung hätte ich nie gerechnet. Vielen Dank an Herrn Totzauer und alle Leser Ihrer Zeitung!" Zdzislaw Matras war überwältigt vor Freude, als er am Dienstagvormittag das Geld erhielt, das ihm so viele Brandenburger überwiesen hatten, die sein Schicksal bewegte.
"Herr Matras ist absolut ein Held, er beweist viel Mut und Courage und er gibt trotz dieser Repressalien nicht auf!" Solche Anrufe, Briefe oder Mail-Zuschriften, wie die von der Fürstenwalderin Gisela Lier, die sich mit 50 Euro beteiligte, hat der Organisator der Aktion - der Frankfurter Roland Totzauer - in den vergangenen Tagen dutzendfach erhalten.
Zur Erinnerung: Vor genau zwei Jahren hatte Zdzislaw Matras unserer Zeitung über eine Bande aus seinem Dorf Lubiechnia Wielka östlich von Slubice berichtet, die sich auf den Diebstahl deutscher Fahrräder spezialisiert hatte. Und zudem darüber, dass alle seine Hinweise dazu bei den polnischen Behörden ins Leere gelaufen waren und er deshalb vermutete, dass die Diebe von der zuständigen Polizei in Rzepin gedeckt würden.
Der Effekt dieses Berichts waren jedoch nicht etwa intensivere Ermittlungen der polnischen Behörden, sondern dass die Staatsanwaltschaft Slubice ein Ermittlungsverfahren gegen Matras wegen angeblicher Verleumdung des damaligen Rzepiner Polizeichefs einleitete. Am Ende eines sehr langen Prozesses wurde der inzwischen 64-jährige Matras am 9. Januar dieses Jahres tatsächlich zur Zahlung von 2000 Zloty (knapp 500 Euro) an die polnische Rechtshilfe, zur Übernahme der Gerichtskosten von ebenfalls 500 Euro sowie zur Unterlassung weiterer Aussagen in dieser Angelegenheit verurteilt. Da der Pole nur umgerechnet 350 Euro Rente erhält und außerdem noch erhebliche Anwaltskosten zu zahlen hatte, stand er jetzt auch noch vor einem großen finanziellen Problem.
"Ich hätte vielleicht mit maximal 700 Euro Unterstützung für Matras gerechnet." Auch der Frankfurter Arbeitslose Roland Totzauer, der Matras schon während des Prozesses mit einer Gruppe weiterer Fahrradfreunde besucht hatte und jetzt zu der Spendenaktion aufgerufen hatte, war von der großen Summe überrascht. Zdzislaw Matras hat sich aber schon Gedanken gemacht, was er mit dem Geld machen will.
"Zum einen finanziere ich damit die Berufung, die mein Anwalt und ich bereits am 10. Februar beim Bezirksgericht in Gorzów gegen das Urteil von Slubice eingelegt haben", sagt er. Er will aber auch seinen Stiefsohn Radoslaw Pluskota unterstützen. Der Mitarbeiter des polnischen Grenzschutzes soll in Kürze wegen des "Verrats staatlicher Geheimnisse" angeklagt werden. Dieser Vorwurf stützt sich darauf, dass Pluskota seinem Stiefvater angeblich dienstliche Informationen zu dessen Verdächtigungen gegeben haben soll. Pluskota wurde deshalb schon im Herbst vom Dienst suspendiert. "Außerdem will ich eine professionelle Detektei in Slubice damit beauftragen, mir weitere Informationen zu den Fahrraddieben zu beschaffen", sagt Matras.
Eine Übersicht über alle Spender findet sich auf der Internetseite: www.rotofo.de/matras
So wie Reinhard Wendt aus Bad Saarow, der ebenfalls Geld spendete, meinen auch andere Leser, dass sich "eigentlich unsere gewählten Volksvertreter für diesen Fall einsetzen und Hilfe leisten müssten". Trotz Anfragen unserer Redaktion hat bisher aber noch kein Politiker Interesse für diesen Fall gezeigt.